MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Karin Jacobi
„Glück ist Selbstgenügsamkeit.“ (Aristoteles)
Schlosstr. 45
06785 Oranienbaum-Wörlitz
Fon: 034904 / 20454
1938 in Glogau (Schlesien) geboren, erinnert sich Karin Jacobi an die Vertreibung aus der Heimat noch sehr bewusst. Der Vater und drei Brüder (einer kehrte nicht zurück) waren im Krieg, die Mutter kam mit drei ihrer sieben Kinder in einem Treck 1945 in Oranienbaum an. Im Schloss fand der Treck Unterkommen für einige Tage bis es weiter ging mit der Hoffnung eine neue Heimstatt zu finden. Für die Familie von Karin endete die Reise hier, denn ihre Schwester hatte im Ort Arbeit gefunden und die Familie somit Bleiberecht und auch schnell eine kleine Wohnung erhalten. Zwei kleine Räume für vier Personen, dafür aber sehr nette, verständnisvolle und entgegenkommende Wirte wurden zur Basis für den Neubeginn der Familie. Das Mädchen Karin besuchte 1945–1953 die Schule, wollte gerne Schlosser werden. Sie hatte sich erkundigt und war von dem vorbildlichen Betreuungssystem für Auszubildende in der Zentralwerkstatt Gräfenhainichen sehr angetan. Doch ihr Klassenlehrer sah anderes Potential in seiner Schülerin und drängte auf den Lehrerberuf. Sie ließ sich überzeugen und nahm ein Studium am Institut für Lehrerbildung in Köthen auf. Die Geburt von Sohn Bernd (1956; Kraftfahrer) führte zur Unterbrechung und die dadurch entstandene familiäre Situation zur Aufgabe der begonnenen Ausbildung. Im Rat des Kreises nahm die junge Frau für zwei Jahre eine Arbeit an, konnte danach als Pionierleiter in die Volksbildung wechseln. Ihr Staatsexamen holte sie nun nach. Schulen in Wörlitz, Vockerode und Schleesen waren ihre Einsatzorte als Pionierleiterin, Unterstufenlehrerin und schließlich auch Schulleiterin. Mit Auflösung der Schule Schlesen wechselte Karin Jacobi in eine Hilfsschule. Insgesamt 39 Jahre war sie im Schuldienst aktiv. Ehrungen wie Oberlehrer und die Pestalozzi-Medaille sind Zeugnis ihrer erfolgreichen Arbeit. 1997 trat sie in den Ruhestand. 1960 war Sohn Thomas (Kriminalist) zur Welt gekommen, 1972 wurde Tochter Marion (Pädagogin, Kraftfahrerin) geboren. Seit 1971 verheiratet und neben der Arbeit gesellschaftlich sehr aktiv, kennt man Karin Jacobi bis heute in der Region, wie Tochter Marion berichtet. Der Vater war zudem als Stadtrat für Kultur und Soziales sehr engagiert und die Kinder wuchsen mit diesem Eltern-Vorbild von ehrenamtlicher Betätigung, moralischer Verantwortung, emotionaler Verbundenheit und Selbstsicherheit auf, was letztendlich auch ihren eigenen Lebensweg beeinflusste. Karin Jacobi hat die ehrenamtliche Arbeit nie aufgegeben. Noch heute ist sie in der Volkssolidarität engagiert. Für Ihre Verdienste wurde sie mit der Ehrennadel der Volkssolidarität in Silber ausgezeichnet. „In der Familie war immer was los....“ beantwortet sie die Frage zum früheren Ausgleich zum Beruf. Das ist heute noch so, denn sieben Enkel und fünf Urenkel sorgen indessen für die Weiterentwicklung der Familie. Dass der Wende im Schulwesen eine massive, negative Veränderung des früher selbstverständlichen Zusammenwirkens von Eltern und Lehrern folgte, bedauert Karin Jacobi im Gedanken an das Wohl der Schüler. Doch mit den Jahren denkt sie immer weniger zurück an ihre Dienstzeit, konzentriert sich auf das Jetzt und Hier. Glück ist für sie Zufriedenheit. Das Zusammensein mit den Senioren der Volkssolidarität und Familientreffen bereiten ihr Freude. Dass Tochter Marion täglich um sie ist gibt ihr zudem ein sicheres Gefühl, für das sie dankbar ist.