MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Hans und Marga Jander
„Ein Bierzapf ist ein gutes Gewerbe“ (William Shakespeare)
Kreisstr. 117
06862 Dessau-Roßlau
Fon: 034901 / 86416
1937 in München geboren und durch die Versetzung des Vaters (Verwaltungsbeamter) anfangs im Sudetenland aufwachsend, erlebte Hans Jander Ausweisung von dort. Eine Tante lebte in Roßlau, so dass dieser Ort Ziel der folgenden Flucht zu Fuß wurde. Acht Klassen besuchte er hier die Schule, lernte anschließend den Schlosserberuf (1951–1953). In der Kasernierten Volkspolizei leistete er drei Jahre Dienst – Voraussetzung zur Studienzulassung. Zurückgekehrt nahm er 1961 im Wissenschaftlich-Technischen Zentrum Dieselmotoren die Arbeit auf, wo auch seine Frau (29 Jahre!) tätig war. 1957 heirateten Hans und Marga Jander – im Jahr 2017 wird die Diamantene Hochzeit gefeiert. Schwer waren die ersten Jahre, die materiellen Güter begrenzt, der Verdienst nicht üppig. Beide waren deshalb immer darauf bedacht weitere Arbeiten anzunehmen, zusätzliches Geld zu verdienen. Die Gastronomie bot entsprechende Möglichkeiten und wurde später zur Hauptaufgabe. Im Schwimmbad Meinsdorf half Marga bereits als Schülerin dem Betreiber, und später wirkten die Eheleute beim Umbau mit. Die Sorge um die Zuverlässigkeit der Versorgung führte dazu, dass man den Janders antrug als Betreiber zu fungieren. 1981 war es soweit. Hans Jander handelte einen annehmbaren Vertrag aus, sorgte damit für die Möglichkeit weiterer Modernisierung und guter Bewirtschaftung. Gute Kontakte zur Stadt und den ansässigen Unternehmen und Einrichtungen ermöglichten kontinuierliches und erfolgreiches Arbeiten. Aus der 1938 geborenen Marga Jander, eigentlich Technische Zeichnerin und Teilkonstrukteurin wurde also eine Gastronomin. Guter Verdienst aber auch harte Arbeit und Umgang mit Kontingentierung und damit notwendigem Erfindungsgeist waren nun angesagt. Die gesellschaftlichen Feiertage wie Frauentag, Betriebsfeiern, Weihnachtsfeiern u.s.w. waren fest einzuplanende Einnahmequellen, die Preise für die Gäste äußerst moderat (0,42 Pfennig ein Bier). Hans Jander hatte ein Studium an der TU Dresden absolviert, war als Gruppenleiter tätig, als auch er die Entscheidung für die Gastronomie traf. „Entweder zusammen oder gar nicht“ war die Devise, denn anders wäre das Familienleben auf der Strecke geblieben. Erst für die Handelsorganisation tätig, strebten die Janders schnell die eigene Mieter-Selbstständigkeit an. Es gelang nach vorherigen Widerständen. Nach der Wende wurde ihnen der DDR-Mietvertrag gekündigt, ein neuer Pachtvertrag mit schlechteren Konditionen angeboten. Aus Altersgründen kam ein Kauf des Objektes für die Janders nicht in Frage, keine Bank hätte die Finanzierung vor diesem Hintergrund übernommen. Indessen gab es massive Bestrebungen zur Fremdübernahme des Gastronomiebetriebes. Viele Bewerber traten an mit der Vorstellung das große Geld zu verdienen, die dafür notwendige Arbeit unterschätzten sie drastisch. Die westdeutschen Brauereien drängten auf „Hilfe“ in Form von Brauereiverträgen, denn alles müsse ja nun neu werden. Familie Jander modernisierte, gestaltete um, investierte – und trotzdem kam 1994 das Aus, die Neuvergabe an einen neuen Pächter. Seitdem ist das Objekt von Hand zu Hand gegangen, denn es wurde als (un-) wirtschaftliches Objekt geführt und nicht mit der Liebe zum Detail und zum Beruf, nicht mit der menschlichen Wärme und dem Organisationstalent wie die Janders es zuvor taten. Heute sind diese Narben verheilt, stehen Konzertbesuche, lesen und Handarbeiten auf dem Plan. Von den beiden Söhnen Frank und Holm haben die Eheleute einen zu Grabe tragen müssen, doch drei Enkel und drei Urenkel bereichern die Familie heute. Der Stolz auf die Familie ist genauso groß wie der auf die eigene Lebensleistung.