MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Johanna Janietz

Geschichten vom Leben – engagiert und ungeschminkt

Johanna Janietz

Rentnerin
Karl-Marx-Ring 52
01591 Riesa
Fon: 03525 / 736016

Die Rentnerin Johanna Janietz ist eine handwerklich begabte Frau, die noch heute ihre Zeit gern mit Handarbeiten verbringt. Ein Gespräch mit ihr verläuft teilweise sehr lebhaft, denn sie erzählt engagiert und ungeschminkt von ihrem Leben. Johanna Janietz wird am 14. Dezember 1940 in Goltzscha geboren und ist die älteste von vier Geschwistern. Die Mutter muss die vier Kinder allein großziehen und so wird die älteste Tochter schon früh zur Arbeit im Haushalt und zur Beaufsichtigung der jüngeren Geschwister herangezogen. Außerdem hilft sie bei den Bauern aus und wird dafür manchmal mit einer kleinen Tüte Bonbons entlohnt. Die Mutter ist in einer Gärtnerei tätig und bekommt für ihre Arbeit Naturalien, was sich in der Hungerzeit eher als zweckmäßig erweist. Der Weg zur Schule ist sehr lang, nach dem Abschluss der achten Klasse besteht die Mutter darauf, dass die älteste Tochter „in Stellung“ geht, an eine Lehre ist unter den damaligen Umständen nicht zu denken. Lediglich der Bruder kann eine Ausbildung zum Elektriker absolvieren. Gerade die Mutter mit ihrem Lebensmut in schweren Zeiten ist für Johanna Janietz bis heute ein Vorbild geblieben. Ihren Mann Heinz lernt diese beim Tanzen kennen, er arbeitet als Meister im Stahlwerk. Aus der Ehe gehen die Tochter Birgit hervor, die als Krankenschwester arbeitet und drei Kinder hat, der Sohn Gunter arbeitet als Elektriker und hat zwei Kinder, der jüngste Sohn Frank verdient sein Auskommen als Dreher und hat zwei Kinder. So ist Johanna Janietz stolze Großmutter von sieben Enkeln, auf ihre Familie ist sie sehr stolz, denn alle ihre Lieben haben ihren Platz im Leben gefunden. Ihr Mann verstirbt 2016, sie denkt mit Dankbarkeit an das Glück, mit einem guten und gerechten Menschen und Vater zusammengelebt zu haben. Als die Kinder aus dem Gröbsten raus sind, geht Johanna Janietz wieder arbeiten und findet Arbeit beim Wachschutz und als Reinigungskraft in einer HO-Gaststätte. Aus dieser Zeit fallen ihr eine Menge Anekdoten über jugoslawische Gastarbeiter in der DDR oder den einen oder anderen Chef ein, die sie gern zum Besten gibt. Später übernimmt sie während der Erntezeit die Versorgung der Mitarbeiter, kocht ihnen den Kaffee und bereitet nach ihren Wünschen und Bestellungen die Speisen zur Frühstücks- und Mittagszeit zu. Während und nach der Wende lernt Johanna Janietz vor allem die Gier der Menschen kennen, die oft viel Überflüssiges kaufen, selbst, wenn sie kein Geld haben. Für sich selbst wünscht sie sich auch künftig, stets gut mit ihren Nachbarn und anderen Menschen auskommen zu können.
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