MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Prof. Dr. Klaus und Heide Jacob

„Schaffe und strebe, aber lebe.“

Klaus und Heide Jacob

Hochschullehrer für Anorganische Chemie
Gymnasiallehrerin Englisch und Deutsch

06217 Merseburg

Sie leben gern in Merseburg und blicken auf ein erfülltes Leben zurück. Prof. Dr. Klaus und Heide Jacob, verheiratet seit 1968, sind stolz auf ihre Familie mit Sohn Sander (geboren 1971, Internist, Diabetologe, Oberarzt im Krankenhaus Sangerhausen) und den beiden Enkeln Hannes (17) und Antonia (12). Heide Jacob, geborene Bergt, kam 1940 als Älteste von drei Geschwistern in Barby an der Elbe zur Welt. Aufgewachsen mit den zwei Jahre jüngeren Zwillingen, wurde Heide 1946 in Tornitz, einem winzigen Ort, wo die Saale in die Elbe mündet, eingeschult. Sie besuchte bis 1954 die Dorfschule und schwärmt noch heute von einer tollen Kindheit auf dem Lande mit Haus und Hof, die Eltern hatten sich auf die Landwirtschaft besonnen, nachdem sie durch Zerstörung im April 1945 ihr Anwesen bei Zerbst verloren hatten. Von 1954–1958 ging sie auf die Oberschule und wohnte in Barby im Internat. „Ich wusste bis zur 12. Klasse nicht, was ich werden wollte“, erinnert sich Heide Jacob. Doch auf jeden Fall sollte es was mit Sprachen sein. Außenhandel zu studieren, das schwebte ihr vor, kam aber nicht in Frage, weil ihr Vater zu Kriegszeiten Berufssoldat war. An der Karl-Marx-Universität Leipzig studierte sie von 1959-1963 Anglistik und Germanistik, um Lehrerin für Englisch und Deutsch zu werden. Bevor es soweit kam, fuhr Heide kurz vor dem Abitur mit ihrem Bruder nach Westberlin. „Ich wollte mir Stoff für ein Abiballkleid, einen Petticoat und Sandalen kaufen. Weil ich erst 17 war, bekam ich mildernde Umstände“, erzählt sie. Sie musste ein praktisches Jahr in der Landwirtschaft leisten und auf dem Feld arbeiten. Erst danach durfte sie studieren. Seitdem wurde über sie eine Stasiakte geführt, in der ihr politische Unzuverlässigkeit bescheinigt wurde. Nach dem Studium unterrichtete sie sieben Jahre lang Englisch und Deutsch an der Käthe-Kollwitz-Schule, einer Polytechnischen Oberschule (POS), in Schönebeck / Elbe. 1967 lernte sie ihren Mann Klaus Jacob kennen. Beide heirateten ein Jahr später und zogen 1970 nach Merseburg. Während sie an der Ernst-Haeckel-EOS Englisch und Deutsch unterrichtete und Klassenleiterin war, arbeitete er (geboren 1939 in Crimmitschau, nach Abitur Lehre als Chemielaborant in Glauchau) nach seinem Chemiestudium an der Technischen Universität Magdeburg (1961–1966) in Merseburg an der Technischen Hochschule als wissenschaftlicher Assistent (Promotion A 1970), später Oberassistent und Hochschuldozent für Anorganische Chemie (Promotion B 1981, Dozent 1990). Heide Jacob hatte 1981, kurz vor Beginn des neuen Schuljahres, den Auftrag, im Pädagogischen Rat über die Zusammenarbeit mit Eltern zu sprechen. Sie prangerte öffentlich die Doppelzüngigkeit an, die zu DDR-Zeiten herrschte. Von da an wurde sie als Nestbeschmutzerin abgestempelt und degradiert. Berufsverbot erhielt sie zwar nicht, denn Pädagogen wurden ja gebraucht. Klassenleiterin konnte sie nicht mehr sein und wurde strafversetzt an die Juri-Gagarin-POS – bis zur Wende. Danach hatte sie nie wieder Angst, engagierte sich politisch und ehrenamtlich, trat 1990 mit ihrem Mann in die SPD ein (und nach 20 Jahren wieder aus) und wurde in der ersten Legislaturperiode Vizepräsidentin des Kreistages Merseburg und Vorsitzende des Personalausschusses. Sie nahm als Gymnasial- und nun auch wieder Klassenlehrerin Kontakte zur Partnerstadt Bottrop auf, denen Austausche mit dem dortigen Heinrich-Heine-Gymnasium folgten. Sie war gern Lehrerin, schreibt bis heute Tagebuch, liebt das Malen als Ausgleich, das ganze Haus hängt voller Bilder, die unter anderem an die vielen Reisen in meist englischsprachige Länder erinnern. Mit ihrem Mann, für den der Chemikerberuf immer Berufung war, der sich im Stadtrat und Aufsichtsrat der Stadtwerke viele Jahre engagierte, unternimmt sie Bildungsreisen und besucht klassische Konzerte. Am liebsten hören Jacobs ihren Enkelkindern (Klavier, Klarinette) bei „Jugend musiziert“-Wettbewerben auf Kreis-, Landes- und Bundesebene zu. Dann sind sie stolze Großeltern, die noch lange gesund bleiben wollen, um weitere schöne Jahre gemeinsam erleben zu können. „Schaffe und strebe, aber lebe“, lautet ihr Lebensmotto.
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