MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Christa Jacob
Verändert es die Geschichte wenn der Blickwinkel des Betrachters sich ändert?
Spitze 10
06108 Halle / Saale
Fon: 0345 / 3880265
Als Bergmann, Schlosser und unabkömmlicher E-Schweißer blieb dem Vater der 1935 geborenen Christa der Kriegsdienst erspart und sein Beruf faszinierte das junge Mädchen genug, um auch den Bergbau als Berufsziel ansteuern zu wollen. Doch ihr Großvater verwies darauf, dass die heilige Barbara keine Frauen im Berg wolle und der Geschichtslehrer sah anderes Potential in ihr. So beeinflusst nahm sie nach dem Abitur in Staßfurt (1953) ein Lehrerstudium an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg auf, mit den Fachrichtungen Geschichte und Russisch und einem zeitweisem Teilstudium in Leningrad. Schnell zog es sie in die Heimat zurück – der Liebe wegen, wie sie erzählt. Freund Otto, ein junger Kommunist, hatte der BRD den Rücken gekehrt, an der ABF seine Ausbildung genommen und war ihr während des Studiums begegnet. Auf Grund seiner Vorgeschichte durfte er nicht in Leningrad studieren und die Trennung der jungen Menschen begann beide zu belasten. Christa kehrte nach Halle zurück und tauschte sozusagen Newski-Prospekt und Ostrowski-Insel gegen die Hochzeit mit Otto 1956 und Geburt von Tochter Angelika (Physikerin, Informatikerin) in gleichem Jahr. Die Kinder Jutta (geb. 1959, Landwirtin) und Frank (geb.1961, Dipl.-Wirtschaftler mit eigenem Steuerbüro) komplettierten in den Folgejahren die kleine Familie. „Das war das Positive in der DDR, wir konnten als Studenten mit Kind ohne Probleme weiter studieren....“, berichtet Christa Jacob zu ihrem weiteren Werdegang. Sie blieb vorerst im Fach Geschichte, erlangte später noch die Lehrbefähigung für das Fach Staatsbürgerkunde. Beginnend an der Giebichenstein-Schule, wurde sie später immer eingesetzt, „wo es brannte“, wie sie ihre Tätigkeit in mehreren Schulen beschreibt und nebenbei erwähnt, dass die Aufgaben ebenso vielfältig waren: Von der Lehrkraft bis zur Direktorin. Ab 1980 wechselte sie in das Haus des Lehrers, trug Verantwortung für die Weiterbildung der Geschichtslehrer für den gesamten Bezirk Halle. Als Oberlehrerin und Oberstudienrätin ausgezeichnet, lernte sie in eigenen Weiterbildungen die DDR-Ministerin für Volksbildung, Margot Honecker persönlich kennen und fachlich schätzen. 1989/1990 im Zuge der Wende wurde nicht nur diese Art der Weiterbildung im Haus des Lehrers sofort aufgelöst, auch die Vermittlung von Geschichte nach sozialistischer Lehre war nicht mehr erwünscht. Christa Jacob hatte die Möglichkeit in den vorzeitigen Ruhestand zu gehen und ist seitdem im Unruhestand, wie sie sagt. Ihre Auszeichnungen als Aktivistin, mit der Pestalozzi- und Clara-Zetkin-Medaille zeugten von intensiver, guter Arbeit, verhinderten aber nicht, dass sie – wie viele DDR-Bürger damals – vorübergehend in ein tiefes Loch fiel. Während Ehemann Otto (verstorben 2009) als Kommunist seine Ideale in Frage gestellt sah, als Geschichtslehrer und Wissenschaftler an der Universität nun für untauglich erklärt, seine Aufgabe verlor und an diesem Identitätsverlust erkrankte, stand Christa Jacob wieder auf. Im Landesheimatbund (Gründung 1990) fand sie neue Herausforderung, organisierte Ferienlager für Kinder zum Kennenlernen des Landes Sachsen-Anhalt. Durch diese Kinderjugendarbeit kam sie im Ehrenamt zu Unicef, war wieder in Schulen präsent, bis die Pflege des Mannes alle Aktivitäten einschränkte. Heute engagiert sich Christa Jacob in der Volkssolidarität und bereichert mit der Durchführung von literarischen Nachmittagen die Erlebniswelt der Senioren. Doch den Bezug zur Jugend hat sie nicht verloren. Wie auch, bei sieben Enkeln und 11 Urenkeln!