MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Dipl.-Ing. Brigitte Jacob

Verlorene Ideale

Brigitte Jacob

Ing. für Maschinenbau
Fachingenieur für Arbeitsschutz
Karl-Marx-Str. 42
04158 Leipzig
Fon: 0341 / 5213160

1937 in Leipzig geboren, trat das Mädchen Brigitte nach der Schule (1943–1951) in die Fußstapfen des Vaters (Maschinenbauingenieur), lernte den Beruf Maschinenschlosser (1951–1953) – Grundlage für ihr späteres Studium an der Ingenieurschule für Maschinenbau (1968–1971, 1975–1980. 2. Ingenieurstudium postgradual). Ab ihrem 19. Lebensjahr wurde sie von ihrer stetig wachsenden Familie in Anspruch genommen. In dieser Zeit widmete sie sich der Entwicklung ihrer Kinder und war, auch ohne Waschmaschine, Fernseher und Urlaubsreisen glücklich. Sie hatte 1956 ihren Mann Hans-Peter (†) geheiratet und sechs Kindern (Kerstin, Jens-Uwe, Barbara, Nanette, Sven-Torsten (†) und Susanne (†)) das Leben geschenkt. Ihr eigenes Verhältnis zum Elternhaus, insbesondere die große Liebe zum Vater hatten sie geprägt. Dass er in den letzten Kriegstagen das bevorstehende Ende ansprach, hatte sein eigenes zur Folge. Er wurde am 25. März 1945 an die „Front“ geschickt, sie sah ihn nie wieder. Sehr eng wurde die Bindung zur Mutter. Als einziges Kind war sie deren Lebensinhalt. Was sich auch später in selbstloser Hilfe für Tochter und Enkelkinder darstellte. Sie starb im Alter von 90 Jahren, nachdem sie 17 behütete Jahre lang im Haus von Tochter und Schwiegersohn gelebt hatte. Die eigenen Erlebnisse lehrten sie den Faschismus hassen. Die Ziele des Sozialismus: Weltfrieden, soziale Gleichheit und Gerechtigkeit, erschienen ihr erstrebenswert. Sie stellte hohe Ansprüche an sich selbst, zwar unpolitisch, aber mit Überzeugungen für die neue Zeit. Das Studium war eine Chance, die ihr eben diese Gesellschaft mit besonderer Förderung bot. Mit Delegierungsbetrieb und 60 % Lohnfortzahlung als Stipendium war es ihr überhaupt erst möglich sich zu entwickeln, denn die Familie benötigte ihr Einkommen. 17 Jahre aus der Schule raus, „nur“ 8-Klassen-Abschluss und sechs Kinder, bedeuteten zudem für sie einen unvergleichbar hohen Aufwand. Von ihrem Mann unterstützt und ihrem persönlichen Credo „kann ich nicht, gibt es nicht – ich werde es versuchen“ getreu, konnte sie ihr Berufsziel erreichen. Sie war begeistert von der Logik der im Studium der Fächer Marxismus-Leninismus und Politische Ökonomie vermittelten Theorie des Sozialismus, wollte mithelfen diese Gesellschaftsordnung aufzubauen. Ihr Eintritt in die SED war folgerichtig. In ehrenamtlichen Funktionen brachte sie sich ein, lernte dabei Menschen und Vorgänge kennen, die ihre Sichtweise auf die Dinge veränderten. Sie erlebte, wie die Idee des Sozialismus von der Realität des Egoismus der Menschen eingeholt wurde. Schlussendlich waren hohe Ziele hohlen Parolen gewichen, mit denen weder Wirtschaftswachstum noch soziale Ziele zu erreichen waren. Brigitte Jacob hatte – wie viele Andere – ihre Ideale verloren, trat aus der Partei aus. Dann kam die „Wende“! Der reale Kapitalismus zeigte sich jetzt wie im Studium vermittelt. Arbeitslosigkeit (auch eigene) schritt voran, soziale Ungerechtigkeit breitete sich aus, Kriminalität, Perspektivlosigkeit, Armut, Obdachlosigkeit, Rechtsextremismus, Drogenkonsum und Prostitution hatte das Volk („wir sind das Volk“) sich erkämpft. War das die ersehnte Freiheit? „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jeder nach seinen Bedürfnissen“, hatte sie einst die Lehre von Karl Marx begrüßt. Eine lebenswerte Theorie, die am Egoismus der Menschen zum Scheitern verurteil war. Das private Leben von Brigitte Jacob war von Höhen und Tiefen geprägt. Sehr schmerzlich war der zu frühe Tod der Kinder Susanne und Sven-Torsten. Mit ihrem Mann durfte sie 58 Jahre verbringen, von denen die letzten 10 immer wieder durch Krankheit getrübt wurden, und sie stetig das Ziel verfolgte, sein Leben so lebenswert wie möglich zu gestalten. Sie sagt: „Der Weg war oft mühsam, doch wir gingen ihn zu zweit, und am Wegesrand blühten viele bunte Blumen: vier Kinder, acht Enkel und neun Urenkel.“
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