MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
MR Dr. med. Wolfgang Jahn
Ehrfurcht vor dem Leben
Facharzt für Allgemeinmedizin
08265 Erlbach
diese Lehre von Albert Schweitzer und Interesse an der Medizin bestimmen das Dasein des Arztes von Kindheit an. Schon als Kind beschloss er bei einem Krankenhausaufenthalt, Arzt zu werden. Geboren wurde Wolfgang Jahn 1934 in Mülsen St. Jacob. Sein Vater war bei der Marine, und so zog der kleine Junge mit der Mutter erst nach Cuxhafen und später nach Gleiwitz. 1945 erlebte er alle Schrecken der Flucht. Wieder in Mülsen angekommen, besuchte er die Volksschule bis 1949 und anschließend die EOS in Lichtenstein. 1953 legte er das Abitur ab und begann in Leipzig das Medizinstudium, welches er 1958 mit dem Staatsexamen abschloss. Im gleichen Jahr absolvierte er am Heinrich-Braun-Krankenhaus Zwickau/Sa. eine Pflichtassistenz. 1959 erhielt er die Approbation als Arzt und promovierte zum Dr. med.. Anschließend musste er sich für 1 Jahr „auf’s Land“ verpflichten. Der Arzt kam nach Erlbach, wo gerade die Außenstelle eines Landambulatoriums aufgebaut wurde. Mit einem Kollegen war er zeitweilig für 10.000 Menschen zuständig. Statt eine Ausbildung zum Gynäkologen zu beginnen, das war sein Wunsch, blieb der verantwortungsbewusste Mediziner und absolvierte die Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin. Mit dem Staat nicht einverstanden, wäre Wolfgang Jahn gern in die BRD gegangen. Doch inzwischen stand schon die Mauer. Um trotzdem etwas von der Welt zu sehen, bewarb er sich als Schiffsarzt, was abgelehnt wurde, ebenso wie der Antrag, in Afrika bei einem Hilfsprojekt zu arbeiten. Der Parteilose war durch seine kritische Haltung der Staatssicherheit aufgefallen, die ihn auf der Liste für ein Internierungslager setzte. Nun wurde er mit Frau Liane, die er 1960 geheiratet hatte, in Erlbach sesshaft und baute ein Haus. Das Ehepaar hat zwei erwachsene Töchter. Der Mediziner blieb im Ambulatorium und war 25 Jahre lang auch Kreissportarzt. In der Zeit des Umbruchs engagierte er sich sehr. Als Vertreter der Bürger-Initiative stellte er sich zur Wahl und war danach 12 Jahre lang Gemeinderat und gleichzeitig stellvertretender Bürgermeister. 1991 eröffnete der Allgemeinmediziner eine eigene Praxis. Die Umstellung des Gesundheitswesens verlief für ihn nicht problemlos. Als voll engagierter Arzt war er immer nur auf das Wohlergehen seiner Patienten bedacht. Die Aufgabe des Praxismanagers mit seinen umfangreichen Anforderungen bereiteten ihm Unbehagen und manchmal Frust. 1993 erwarb sich der Mediziner in München bei Prof. Dr. Bahr die Befähigung zur Akupunkturbehandlung. Mit dieser alternativen Therapie konnte er vielen Menschen helfen. 2009 veranlassten Herzprobleme den Facharzt, seine Praxis zu verkaufen. Anderthalb Monate fehlten ihm an 50 Jahren Arzttätigkeit in Erlbach. Die Herzerkrankung stellte sich zum Glück nicht so gravierend dar, wie erst befürchtet. Der Senior beschäftigt sich im Garten und bastelt gern. Seine große Leidenschaft waren und bleiben immer noch die hohen Berge, jetzt allerdings in der Erinnerung. Seit 1960 ist er passionierter Jäger, mit all seinen waidmännischen Erlebnissen. Zufriedenheit bedeutet für ihn, das Notwendige und das Mögliche zu tun und am Ende mit dem Ergebnis zufrieden zu sein.