MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Walter und Lore Ibisch
Bis zur diamantenen Hochzeit und weiter
Industriemeister
Textilfacharbeiterin
Vater-Jahn-Str. 5
09217 Burgstädt
Seit 1955 gehen Lore und Walter Ibisch den gemeinsamen Lebensweg. Die beiden Söhne Thomas (1958 geboren) und Dirk (1965) wurden zu ihren Begleitern, inzwischen sind ihnen auch vier Enkel ans Herz gewachsen und das erste Urenkelkind war ebenso zu begrüßen.
In einer Chemnitzer Klinik kam Lore Ibisch 1935 zur Welt. Sie wuchs mit einer jüngeren Schwester vorwiegend unter der Betreuung der Großeltern auf, denn die Mutter musste das Geld für die Familie verdienen, der Vater blieb im Krieg. Als die Rote Armee 1945 in Burgstädt einzog, mussten sie für neun Monate das Haus verlassen, nur der Großvater versuchte trotzig die Stellung zu halten. Die junge Lore besuchte die Grundschule, die spätere Ernst-Schneller-Schule. Mit der achten Klasse schloss sie 1950 ab. In der Textilfabrik der Fa. C. Hugo Eidner & Co. AG wurde sie zur Textilfacharbeiterin ausgebildet, doch bewies sie schnell die bessere Eignung für das Büro, so dass sie nach Lehrabschluss fast ausschließlich in der Verwaltung und Lohnbuchhaltung eingesetzt wurde. Bis zum Eintritt in den Ruhestand per Altersübergangsregelung 1990 blieb sie ihren Aufgaben in diesem Betrieb verbunden, der nach der Verstaatlichung 1953 als VEB Textilwerke „Clara Zetkin“ Burgstädt firmierte.
Walter Ibisch stammt aus Niederschlesien. Sein Geburtsort hieß 1933 noch Grabofnitze (ab 1935 Buchendorf) und lag im Kreis Militsch. Land- und Teichwirtschaft bestimmten das Leben der Eltern und damit auch der sechsköpfigen Geschwisterschar. Im Januar 1945 war die kindliche Idylle zu Ende, zu Fuß bei eisigem Winterwetter ging auf die als vorübergehend gedachte Flucht vor der nahenden Front bis ins Sächsische. In der kleinen Gemeinde Stein im Chemnitztal fanden sie Aufnahme. 1947 war für den jungen Walter der letztlich sehr unregelmäßige Schulbesuch zu Ende. Der Vierzehnjährige arbeitete nun vier Jahre als Hilfskraft beim Bauern Lohmann am Ort. Dann konnte er eine Lehre im Betriebsteil Schweizertal des VEB Feinspinnerei Erzgebirge aufnehmen. Er wurde Textilfacharbeiter, war als Schichtleiter eingesetzt und qualifizierte sich Anfang der achtziger Jahre durch entsprechende Lehrgänge im damaligen Karl-Marx-Stadt (heute wieder Chemnitz) noch zum Meister der volkseigenen Industrie. Lore Ibisch war in jungen Jahren bei der Betriebssportgemeinschaft (BSG) „Fortschritt“ Burgstädt im Handball aktiv. Das monatliche Treffen mit den ehemaligen Mitspielerinnen des Vereins möchte und braucht sie bis heute nicht missen. Die Unruhe im Ruhestand besiegt Walter Ibisch durch Fleiß bei der Arbeit im Garten.