MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Rudolf Höritzsch
Das höchste Gut ist: Zufriedenheit und ein Quäntchen Glück
Friseuse i. R.
Großhandelskaufmann und Buchhalter i. R.
Baderwiese 14
04668 Grimma OT Mutzschen
Fon: 034385 / 51474
Elfriede Höritzsch erblickte das Licht der Welt am 14.08.1940 in Popershau als Älteste von sechs Geschwistern. Später hieß es in der Sonntagsschule: „Immer schön beten!“ Eine kleine Anekdote begleitet ihre Gedanken bis heute. Geld hatte sie nicht.. Allerdings liebte sie den Jahrmarkt, setzte Erlerntes um und betete immer schön: „Lieber Gott, beschere mir fünf Mark für den Rummel!“ Vom Himmel fiel das Geld nie und ihr Glaube an Gott war erschüttert.
Doch Elfriede Höritzsch tat das Richtige – sie glaubte an sich. Vater war im Krieg geblieben. Ohne ihn zog die große Familie 1947 nach Ansprung und 1950 nach Mutzschen. Nach Schulende 1956 ließ sie sich zur Friseuse ausbilden und erlernte während der Lehre sogar noch die Perückenherstellung. Ihre Arbeit nahm sie in einem Wermsdorfer Salon auf, in welchem sie bis zur Rente im Jahre 2000 beschäftigt war. Langjährige Kundschaft, welche von ihr begeistert war, überhäufte sie zum Abschied nicht nur mit Blumen, sondern mit der großen Wertschätzung, die sie sich verdient hat.
Rudolf Höritzsch, am 29.12.1938 in dem Haus, das er heute bewohnt, geboren, wuchs gemeinsam mit seinem Bruder auf. In Kriegs- und Nachkriegsjahren war schulische Bildung nur bedingt möglich. Dennoch gab er sein Bestes und absolvierte bei der Bäuerlichen Handelsgenossenschaft eine Lehre zum Großhandelskaufmann. Vorerst blieb er in der Einrichtung, führte die Außenstelle in Mahlis und wurde zur Produktionsgenossenschaft des Handwerks „Bau“ nach Wermsdorf abgeworben. Hier widmete er sich einer Zweitausbildung an der Handwerkskammer Leipzig zum Buchhalter. 1972 wurde die PGH in einen Volkseigenen Betrieb umgewandelt. 1974 begann Rudolf Höritzsch bei der PGH „Ausbau“ in Mutzschen, übernahm die Buchhaltung.
Nach der Wende überantwortete man es ihm, langjährigen Kollegen zu kündigen – ein Umstand, der ihn bis heute verfolgt und nicht zur Ruhe kommen lässt. Es tat ihm alles sehr leid. Eine andere Chance hatte er allerdings nicht. Zuzüglich musste er als Liquidator die eigene PGH abwickeln. 1995 war alles zu Ende. Ab 1996 selbst von Arbeitslosigkeit betroffen, ging er 1998 in Rente.
Schon seit 1970 lebte das Paar zusammen, heiratete jedoch erst 1989 kurz vor der deutschen Vereinigung und hat aus früheren Beziehungen vier Kinder. Früher gingen die Beiden oft tanzen und seine Frau schwärmt: „Mein Mann war ein sehr guter Tänzer!“ Auch Reisen unternahmen sie gern. Gern hätte Rudolf Höritzsch noch die artenreichen Tierwelt in der afrikanischen Serengeti bestaunt. Leider machte das Alter einen Strich durch die Rechnung. Doch nach wie vor machen sie alles gemeinsam und erörtern ihr höchstes Gut – Zufriedenheit und ein Quäntchen Glück. Das Paar fand im Leben beides.