MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Helga Hösel
Auf dem Turm des Lebens und immer unter Menschen
Industriekauffrau i. R. und ehrenamtliche Türmerin
Gerhart-Hauptmann-Str. 10
09648 Mittweida OT Lauenhain
Fon 03727 / 91663
Ja, was ist eigentlich eine „Ehrenamtliche Türmerin“? Nicht ganz ernst genommen kann man sagen: „Die höchste Frau von Mittweida und Umgebung“. Wenn man Helga Hösel zuhört, ist dies zunächst ein Mensch, der sich sehr spät zum Glauben bekennt. Erst durch eine Dokumentation über das Leben von Jesus wird er für sie interessant.Wenn dann noch ein Bruder des Urgroßvaters hinzukommt, der vor Jahrzehnten der letzte Türmer von Mittweida war, sind die Weichen gestellt. Helga Hösel trifft eines Tages den Pfarrer aus dem Glaubenskurs, den sie absolvierte. Er erzählt, dass die Kirchengemeinde einen neuen Türmer, oder eine Türmerin sucht. Somit war es besiegelt, Helga Hösel wurde Türmerin. Seitdem führt sie interessierte Menschen Mittwochs von April bis Oktober 166 Stufen auf den Turm und kommt so mit vielen unterschiedlichen Menschen ins Reden. Das nötige Wissen hat sie sich angeeignet. Auch während des Gesprächs blättert sie in Unterlagen zur Geschichte der Kirche und ihres Turms. Der Türmer ist früher ein Angestellter der Stadt gewesen, der für den Brandschutz verantwortlich war und alle 20 Minuten am Tag sowie alle 15 Minuten in der Nacht von dem Kirchturm die Stadtkulisse auf eventuelle Rauchschwaden überprüft hat. Zu seinem Amt gehörte auch das Läuten der Glocken. Er wohnte mit seiner Familie auf dem Turm. Heute werden Teile der ehemaligen Wohnung vom Urwerk und den vier Uhren eingenommen, dessen über 100-jährige Mechanik sehr interessant und beeindruckend ist.
Helga Hösel wächst in Mittweida auf. Der Vater, ein gelernter Buchbinder, arbeitet später als Hygieneinspektor und 30 Jahre als Brauer im VEB Mittweida Löwenbräu. Die Mutter, eine gelernte Zuschneiderin, ist als Sachbearbeiterin bei der Deutschen Post tätig. Die Kindheitsträume, einmal Tankwart, später Agrarfliegerin zu werden, kann sich Helga Hösel nicht erfüllen. Stattdessen beginnt sie eine Lehre als Köchin, wird mit 18 Jahren Mutter. Später arbeitet sie in einer Kinderkrippe und muss erleben, wie ihr Mann, ein gelernter Stahlbauschlosser, mit 23 Jahren verstirbt. Sie heiratet später erneut und ist nun Mutter dreier Kinder. Die älteste Tochter arbeitet als Steuerfachgehilfin, der Sohn als Bildjournalist und die jüngste Tochter arbeitet als Maschinenführerin in der Chemischen Industrie. Im weiteren Verlauf ihres Berufslebens arbeitet Helga Hösel z. B. als Sekretärin an einer Schule, später als Versicherungsinspektor bei der Staatlichen Versicherung. Von 1985 bis zum Januar 2002 arbeitet sie bei einer Energiefirma und geht anschließend in den Ruhestand. Um diese Arbeiten auszuführen absolviert sie Lehrgänge sowie eine Facharbeiterausbildung zum Industriekaufmann. Sie ist Mitglied im Heimat- und Geschichtsverein sowie beim Mittelsächsischen Kultursommer. Regelmäßig trifft sie sich mit Senioren zu Spielen bei Kaffee und Kuchen.
Helga Hösel schätzt arbeitsame Menschen und ist auch deshalb stolz auf ihre Kinder. Sie lebt sehr gern in Mittweida und freut sich immer wieder über die Aussicht vom Kirchturm auf die Stadt und deren Umgebung.