MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Prof. Dr. Hans Igel
Wo im Leben auch Irrwege lauern
Gynäkologe
Angerburger Allee 41 14055 Berlin-Spandau Tel.: 030 / 33 00 84 54
Der gebürtige Schlesier und Gynäkologe Professor Dr. Hans Igel wollte ursprünglich Bibliothekar werden und studierte dann aber Medizin in Breslau, Göttingen und Düsseldorf. Nach Kriegseinsatz und –gefangenschaft ging er 1945 zunächst nach Düsseldorf, kam dort bei einem ihm bekannten Sanitäter unter und arbeitete als Hilfsarbeiter. Später war er im Katholischen Krankenhaus in Düsseldorf Rath tätig, bis er eines Tages erfuhr, dass Teile seiner Familie in der Nähe von Berlin lebten.
Er entschloss sich zum Umzug in die schwer zerstörte Hauptstadt, traf dort seine Mutter wieder und fand im August 1945 eine Anstellung als Gynäkologe an der Frauenklinik der Charité. Nach einem kurzen Zwischenspiel am Institut für Endokrinologie kehrte Hans Igel an die Charité zurück, habilitierte sich im Jahr 1960, wurde im selben Jahr zum Oberarzt und 1965 zum Professor berufen. Ab 1970 arbeitete er als Chefarzt in Schwerin und übernahm später den Lehrstuhl für Frauenheilkunde an der Charité.
Neben der Behandlung der Patienten forschte der Wissenschaftler auf dem Gebiet der Hormone und der Zythendiagnostik und beschäftigte sich als erster deutscher Mediziner mit dem Nachweis von Krebs durch Zelluntersuchungen. Durch die Existenz von drei Lehrstühlen an einer wissenschaftlichen Einrichtung zum selben Fachgebiet kam es zu Schwierigkeiten. In dieser Situation wurde Hans Igel ein Lehrstuhl in Freiburg in der Bundesrepublik angeboten, ein geplanter Fluchtversuch scheiterte am Grenzübergang Marienborn und der Mediziner wurde mit anderen Beteiligten zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt, die er in Stasigefängnissen in Berlin-Hohenschönhausen, in Halle, in Cottbus und in Leipzig-Meuselwitz verbringen musste.
Im Alter von fast 60 Jahren wurde Hans Igel in den Westen abgeschoben, er war anschließend ein Jahr krank geschrieben, fand dann eine Stelle in einer Krebsnachsorgeklinik im Sauerland und führte gleichzeitig bis 1989 eine eigene Praxis. Im Jahr 2001 kehrte er nach Berlin zurück und lebt seitdem in Charlottenburg. Wenn er der Mediziner auf sein Leben zurück blickt, so schätzt er ein, dass er den Lehrstuhl unter den damaligen Bedingungen nie hätte übernehmen dürfen, auch würde er das Risiko einer Flucht in den Westen, vor allem im fortgeschrittenen Alter nicht noch einmal eingehen.