MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Konrad und Anni Hänsel

Flitterwochen mit Sperrstunde

Konrad und Anni Hänsel

Landwirte
Zöthain 5
01623 Lommatzsch

Für Polterabend und Hochzeitsfeier brauchten sie Sondererlaubnisse, es war kurz nach dem 17. Juni 1953 und die Zusammenkunft von mehr als drei Personen verboten. Bei den Flitterwochen im Elbsandsteingebirge war abendlicher und nächtlicher Ausgang untersagt. Das hat Anni und Konrad Hänsel nicht davon abhalten können, seit mehr als sechzig Jahren eine glückliche Ehe zu führen. Im Umfeld der sächsischen Kleinstadt Lommatzsch haben beide Eheleute ihre Wurzeln. In den inzwischen eingemeindeten Ortschaften Zöthain (er, 1930) und Daubnitz (sie, 1929) kamen sie zur Welt, die von elterlicher Bauernwirtschaft geprägt war. Beide besuchten sie von Anfang an gemeinsam die örtliche Schule. Später verzieh sie ihm, dass er sie als junges Mädchen an den Zöpfen gezogen hatte. Schwere Tage waren zu durchstehen, als in den letzten Kriegstagen 1945 die Front zwischen deutschen Wehrmachtsresten und der Sowjetarmee zwischen den Dörfern dort hin und her wechselte. Nach dem Schulabschluss mit der 8. Klasse arbeiteten beide auf ihren jeweiligen Höfen, besuchten die Landwirtschaftsschule in Döbeln. Kurz war Konrad Hänsel 1948/49 als Volontär in Stellung, dann kam er nach Zöthain zurück und wurde, kaum 19 Jahre jung, zum Chef der Freiwilligen Feuerwehr gewählt. Nach fünfundzwanzig, fünfzig und sechzig Jahren wurde er für treue Dienste geehrt, wirkte zuletzt nach Zusammenschluss mit dem Nachbarortsteil als Wehrleiter Wachtnitz. Nach der Heirat half Ehefrau Anni mit auf dem Zöthainer Hof, geprägt durch Herdbuchzucht von Rindern, Schweinen und Pferden, der vom Vater 1959 an Konrad Hänsel übertragen wurde. Mit der Selbständigkeit war 1960 schon Schluss, die Gründung Landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften (LPG) tat den Einzelbauern weh, sorgte aber für rationellere Produktion und modernere Maschinen. Konrad Hänsel arbeitete vorwiegend als Traktorist, vertrat zwanzig Jahre die Landeinbringer im Vorstand. Seine Frau betätigte sich vor allem in der Schweinezucht. Als mit der Auflösung der LPG 1990 eine Rückkehr zu privatem Wirtschaften möglich wurde, verzichteten Hänsels auf die Wiedereinrichtung, verpachteten das meiste Land, gingen in Rente und betrieben im Nebenerwerb bis in die jüngste Zeit etwas Landwirtschaft. Drei Kinder und sieben Enkel sind die stolze Familienbilanz. Einer der Enkel soll als Wehrleiter der Feuerwehr wie Opa Verantwortung übernehmen.
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