MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Irmgard und Werner Hübner
Das Leben immer gemeistert
Fachverkäuferin für Lebensmittel und Haushaltwaren
Glasbläser / Bergmann-Berufsgruppe Hauer / Zerspaner
Finninger Weg 9
04741 Roßwein OT Niederstriegis
Irmgard und Werner Hübner sind stolz, das Leben trotz vieler Widrigkeiten gemeistert zu haben. Im eigenen Haus erinnern sie sich.
Irmgard Hübner kam 1936 in Bobrek, einem kleinen oberschlesischen Ort, der heute zu Polen gehört, zur Welt. Von 12 Geschwistern leben noch fünf. Der Vater war Steiger in der Steinkohle; die Mutter Hausfrau. „Anfang 1945 flüchteten wir vor dem Krieg. Vom letzten Zug aus, der Dresden verließ, sahen wir die Tiefflieger, die später die Stadt bombardierten. Der Himmel war hell erleuchtet. Wir wurden immer weiter nach Westen getrieben, bis wir in Thüringen ankamen. Mein Vater kehrte aus der Gefangenschaft heim und fand Arbeit beim Uranabbauunternehmen WISMUT. Daraufhin zogen wir 1950 nach Schlema ins Erzgebirge“, erzählt Irmgard Hübner. Nach einer Ausbildung zur Haushaltswirtschafterin war sie in der Treibriemenfabrik Schlema als Hilfsarbeiterin und Lagerverwalterin tätig. Danach ließ sie sich zur Fachverkäuferin für Lebensmittel umschulen, arbeitete dann im KONSUM-Kaufhaus in Aue in der Kundendienstzentrale und wechselte in den Verkauf, war später Kassiererin. „Zu meinem 55. Geburtstag 1991, ich lag damals im Krankenhaus, erhielt ich die Kündigung, was nicht rechtens war“, sagt Irmgard Hübner enttäuscht.
Werner Hübner wurde 1937 in Ostritz bei Görlitz geboren. Die Mutter war Weberin; der Vater Weber, arbeitete später als Schuhmacher. „Den Beruf wollte ich auch erlernen. Nachdem ich 1952 ein halbes Jahr bei einem Meister einige Handgriffe recht und schlecht verrichtet hatte, empfahl er mir, etwas anderes zu suchen. Aus Verzweiflung ging ich zu einem Großbauern und hütete als Jüngster unter drei Knechten Kühe. Dann wollte ich einen Beruf ergreifen. Von 1953 bis 1955 lernte ich in Weißwasser Glasbläser und fing in der Glasfabrik Torgau als Laufbursche an, trotz Facharbeiterbrief“, erinnert sich Werner Hübner. Weil er dort wenig verdiente, folgte er dem Ruf einer Zeitungsanzeige, in der junge Männer für die WISMUT gesucht wurden. „In der Generaldirektion in Karl-Marx-Stadt, das heute wieder Chemnitz heißt, teilte uns der Chef, Träger einer Armeeuniform, in Bergbauobjekte auf. Ich kam in den Bereich, in dem Schächte geteuft wurden. Weil ich noch nicht 18 war, lud ich zunächst in Aue nur mit der Hand Schachtmaterial von Eisenbahnwaggons auf LKW’s um“, erzählt Werner Hübner. Ab 1958 arbeitete er unter Tage in einer Teufenbrigade, von alten Hauern auch „Himmelfahrtskommando“ genannt. Die Teufe gibt die Tiefe von einem Punkt über Tage zu einem Punkt unter Tage an. Zwei Jahre später machte Werner Hübner seinen Hauerschein und verdiente gutes Geld. Werner Hübner teufte Schächte bis 1.800 Meter Tiefe. Mit nacktem Oberkörper bohrte seine Brigade bei über 36 Grad Hitze Löcher, damit Geologen Temperaturmessungen vornehmen konnten. „Dreimal sprang ich dem Teufel von der Schippe. Mein Schwager verunglückte durch Steinschlag tödlich“, sagt Werner Hübner. 1993 ging er in den Vorruhestand, nach 37jähriger Tätigkeit bei der WISMUT. Einem Traditionsverein für Bergbaugeschichte, der in Schlema gegründet wurde, trat er sofort bei. Irmgard und Werner Hübner sind Eltern zweier Söhne: Gerald verkauft LKW, Holger, ein Koch, starb bereits 1993 bei einem Unfall. Gesund bleiben ist der größte Wunsch der Eheleute Hübner.