MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Prof. Dr. Johanna Hübscher
…und beinah wäre sie Politikerin geworden
Fachärztin für Sportmedizin
Wöllnitzer Str. 42
07749 Jena
Fon: 03641 / 945660
Politisch engagiert war / ist sie schon, nur, als die Entscheidung anstand, von der geliebten Medizin in eine hauptamtliche Funktion zu wechseln, erinnerte sie sich an ihr Motto „Versäume nicht die Minute, wenn du der Stunde nicht sicher bist“ und blieb an der Universität.
Geboren 1950 in Merseburg, besuchte Johanna Hübscher die Erweiterte Oberschule, schloss mit dem Abitur gleichzeitig eine Berufsausbildung in der Gastronomie ab. Doch die Medizin war von Anfang an ihr Ziel, an der Friedrich-Schiller-Universität Jena konnte sie sich 1968–1974 den Studientraum erfüllen. Da schon mit Forschungsaufgaben befasst, war auch der Weg vom Diplom zur Promotion nicht weit. Ein Jahr versuchte sie sich in der Anatomie, dann entschied sich die Tochter eines Sportlehrers doch für die Facharztausbildung als Sportmedizinerin. Am Institut für Sportwissenschaft der Jenaer Universität gab es einen Lehrstuhl für Sportmedizin, hier wirkte sie als Dozentin in Lehre und Forschung wie als betreuende Ärztin für Sportstudenten und Leistungssportler, letztere vor allem aus dem Rennschlitten- und Bobsport, die überaus erfolgreichen Silke Kraushaar (Olympia-Gold) und Norbert Loch sollten später dazugehören. Mit dem Thema „Binde- und Stützgewebebelastung beim Rennschlittensport“ konnte sie 1990 habilitieren. Lange Jahre war sie dann bis 1999 kommissarische Leiterin der Sportmedizin am Institut, 1996 zur Professorin berufen. Mit der Magnetfeldtherapie engagiert sie sich für eine neue Behandlungsmethode.
1990, mit dem Ende der DDR änderten sich nicht nur universitäre Strukturen, in Zeiten eines politischen Pluralismus entschied sich Johanna Hübscher, in der Übergangszeit schon am Runden Tisch aktiv, Mitglied der CDU zu werden. Nach den ersten freien Kommunalwahlen im Mai 1990 übernahm sie den Vorsitz der CDU-Fraktion im Jenaer Stadtrat, sollte im Jahr 2000 sogar als Oberbürgermeisterin kandidieren. Auch wenn sie ihrem Beruf treu blieb, noch immer ist sie im Stadtrat aktiv, war zudem 2000/10 Mitglied des Thüringer Verfassungsgerichtshofes, übernahm ehrenamtliche Funktionen im Behindertensport und war Vorsitzende des Frauenfußballvereins USV Jena, einer heute erstklassigen Mannschaft.
Seit 1971 ist ihr Mann Karl-Heinz an ihrer Seite, als Bauingenieur und heute als Hoteldirektor tätig. Ein Sohn, eine Tochter, zwei Enkelsöhne bereicherten ihr Familienleben.