MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Gudrun Hußner

In Berufen mit Präzisionsanspruch

Gudrun Hußner

Diplom-Ingenieur für Kontrolltechnik
04639 Gößnitz

Ihre Lebenspartnerschaft entstand erst in der Mitte des Lebens, in gereifter Entscheidungsfreiheit. Gudrun Hußner wurde 1948 in Meerane geboren, im nahen Gößnitz wuchs sie auf, beendete ihre Schulzeit mit dem Abitur. Nur für das Studium in Karl-Marx-Stadt (heute wieder Chemnitz) verließ sie ihre thüringische Stadt. Nach fünf Jahren konnte sie als Diplom-Ingenieurin für Kontrolltechnik abschließen und fand bei der Präzisionswerkzeugfabrik in Schmölln wichtige Aufgaben. Hochspezialisierte Werkzeuge waren vor der Auslieferung an die Kunden bis in den Mikrometerbereich zu prüfen. Ihr Arbeitsplatz blieb über Jahre vor Ort, obwohl er administrativ erst beim Werkzeugkombinat Schmalkalden, später beim staatlichen Amt für Standardisierung und Messwesen angesiedelt war. Als die Verzahnungstechnik sich nach der Wende verselbstständigte, blieb sie Leiterin des Messraums bis zum Renteneintritt 2008. Jürgen Schönherr stammt aus einer alten Chemnitzer Unternehmerfamilie, für den 1947 Geborenen in sozialistischen Zeiten kein Karrierevorteil. So lernte er nach der 8. Klasse beim VEB Industriewerke, wurde Zerspaner. Nach der Armeepflicht wechselte er zur Wismut AG, machte einen weiteren Berufsabschluss als Kfz-Schlosser mit Abschluss der 10. Klasse. Später fand er beim Werkzeugmaschinenwerk VEB Wema Union Gera Aufgaben mit Perspektiven, erwarb den Schweißerpass, machte später seinen Industriemeister. So konnte er als Operativtechnologe arbeiten und zwei Jahre auch als technischer Leiter agieren. Als die nach der Wende umstrukturierte Firma in die Insolvenz ging, sah er sich den Herausforderungen der entindustrialisierten Gegenden ausgesetzt. Er arbeitete als Hausmeister, meldete sich arbeitssuchend, half als Ausbilder beim Christlichen Jugenddorf, für mehrere Jahre Heranwachsenden mit schwierigem biographischem Hintergrund Halt im Leben zu vermitteln und wurde danach in Programmierung und Automatisierungstechnik geschult, ohne Aussicht auf einen diesbezüglichen Arbeitsplatz. Ähnlich, aber wesentlich bedrückender war die anschließende Tätigkeit in einem Heim der Suchthilfe. Ein Jahr betrieb Jürgen Schönherr noch einen Hausmeisterservice als Ich-AG, dann war ihm die Rente mit 60 wohlverdient. Gudrun Hußner beansprucht im Haus die Leseecke, er die Küche. Seit sie vor über fünfzig Jahren zum ersten Mal mit den Eltern zum Camping an der Talsperre Pöhl im Vogtland war, gehört der Sommer dem dortigen Bungalow.
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