MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Alina und Rüdiger Baumbach
Im Urlaub haben sie sich einst kennengelernt
Verkäuferin, Berufskraftfahrer
Am Berg 3
04808 Wurzen OT Nitzschka
Ehrlichkeit währt am längsten und aus allem das Beste machen. Mit diesen Leitsprüchen könne sich Alina und Rüdiger aus dem sächsischen Wurzen OT Nitzschka gut identifizieren. Das Paar ist seit 1975 ein Ehepaar, hat eine Tochter und einen Enkel. Sie haben sich 1974 im Urlaub in Finsterbergen kennengelernt. Das heißt, die Frau aus Sachsen erholte sich in Thüringen, der Heimat ihres späteren Ehemannes. Alina Baumbach, geborene Kotzerke, kam 1956 in Dornreichenbach zur Welt und 1965 ihre einzige Schwester. Die Eltern verdienten ihr Geld in der Landwirtschaft. Von 1962–1972 ging Alina in Burkhardtshain zur Schule. Sie lernte danach im Nahrungsmittelkombinat ,,Albert Kuntz“ (Keksfarbrik) in Wurzen Instandhaltungsmechanikerin. Als ihre Tochter 1975 geboren wurde, blieb sie drei Jahre zu Hause da keine örtliche Kindergrippe zur Verfügung stand. Inzwischen war Rüdiger von Finsterbergen nach Nitzschka umgezogen und fand in seinen Schwiegereltern das Elternhaus, das er sich immer gewünscht hatte. In den abgelegenen Mühlengrundstück, das Alina´s Eltern 1957 gekauft hatten, bewohnten sie vorerst zwei Zimmer im Nebengebäude, ehe sie 1978, ein paar Wochen vor Rüdigers Armeedienst an der Grenze, ihre erste eigene Wohnung in einem Zweifamilienhaus im Ort bekamen. In dem Haus, das seit 1994 ihr Eigentum ist wohnen die beiden heute noch. Und überstanden relativ glimpflich das Jahrhunderthochwasser 2002 der in unmittelbarer Nachbarschaft fließenden Mulde, welches dem Ort arg zugesetzt hat durch mehrere Dammbrüche. 2013 das nächste Hochwasser, der Ort schon etwas besser geschützt durch den erhöhten Damm. Ab 1979 kann ihre Tochter den Kindergarten im Ort besuchen, begann Alina in der LPG Pflanzenproduktion zu arbeiten (Rüben, Stroh, Heu und Tabak), damals übliche Arbeiten der Frauen.
1981 wurde ihre eine freie Stelle als Verkaufsstellenleiterin im Konsum angeboten, damit war eine Weiterbildung als Verkäuferin/ Verkaufsstellenleiterin verbunden. Die Arbeit in dem kleinen Laden im Ort ging über die Wende hinaus, nach Aufgabe des Geschäftes durch die KG mit einem privaten Eigentümer, danach mit wechselnden Betreibern aus den alten Bundesländern. 1997 dann das absehbare Ende des Ladens und Arbeitslosigkeit. 2006 – Ende 2017 folgt ein Job als Zeitungszustellerin. Seit 2019 ist sie Rentnerin. Rüdiger Baumbach wurde 1955 in Gotha in Thüringen geboren. Als er drei Jahre alt war nahm sich seine Mutter das Leben. Sein Vater gelernter Klempner, heiratete wieder und Rüdiger bekam eine Stiefmutter, eine Stiefschwester und später eine Halbschwester. Nach seiner Schulzeit von 1961–1971 in Finsterbergen absolvierte er eine zweijährige Lehre als Berufskraftfahrer im Kraftverkehr Gotha, fuhr dort LKW in Spedition und Fernverkehr bis zu seinen Umzug. In Sachsen begann er erstmal in der LPG-Werkstatt in Burkhartshain zu arbeiten, in der Beregung und ab und zu als LKW-Fahrer. Doch auf Dauer war das nichts. Rüdiger zog es zum Kraftverkehr Wurzen (heute Regionalbus Leipzig), wo sich längst seine Arbeitsunterlagen aus Gotha befanden. Sein früherer Arbeitgeber hatte die Papiere vorsorglich schon mal dorthin geschickt. Er begann wieder als LKW-Fahrer, wechselte danach in die Busabteilung und saß 45 Dienstjahre hinterm Lenkrad. Kurz vor Rentenantritt wurde bei Rüdiger allerdings eine Krankheit festgestellt, bei der plötzlich nichts mehr ist wie es mal war. Pläne und Wünsche, alles was für das Rentendasein vorgesehen war sind hinfällig. Das bisherige zufriedene Leben des Paares und die Wünsche für Gesundheit, Glück, Frieden und Harmonie für die gesamte Familie mit Tochter und Enkel nimmt plötzlich einen ganz anderen Stellenwert ein. Zu dem Paar gehört aber auch eine gewisse Sammelleidenschaft wie Bücher, Blechdosen und alte Dinge die viel zu schade sind, um sie weg zu werfen. Aber auch in einen großen Haus ist der Platz begrenzt.