MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Joachim Bauer
„Jeder einzelne Tag ist wie eine Stufe des Lebens.“ (Seneca)
Spitzendreher
Wernsdorfer Str. 40 b
09322 Penig OT Wernsdorf
Fon: 037381 / 5269
Er wohnt in seinem Elternhaus – der 1938 als Sohn einer Schneiderin und eines Straßenbauers geborene Joachim Bauer. Als Einzelkind wuchs er auf, denn der zwölf Jahre ältere Bruder wurde 17-jährig noch in den letzten Kriegstagen eingezogen und kehrte nie zurück. „Vermisst“ hieß es und wurde nie geklärt. Joachim Bauer erinnert sich noch an die letzten Kriegstage im Ort. Am 14.04.1945 kamen die Amerikaner und einen Abend zuvor marschierte noch der Volkssturm mit Panzerfäusten und rief zum Kampf. Letztendlich kam es nicht dazu. Als die Amis kamen, hingen weiße Bettlaken aus den Fenstern um schlimmstes von der Bevölkerung abzuwenden. Die Panzerfäuste waren versteckt, wurden später verraten und vernichtet. Seine Mutter hatte die Uniformen der flüchtenden Volkssturmangehörigen im Waschhaus verbrannt. Ein Risiko, denn in der Asche fanden sich zahlreiche Uniformknöpfe wieder. Doch niemand bemerkte das. Die Menschen konnten (und mussten) neu beginnen. Die Not machte erfinderisch. Joachim Bauer erinnert sich lebhaft an ein Beispiel: Abgetrocknete Birnen wurden geschnitten und getrocknet, in Schnaps eingelegt und als Rosinen-Ersatz bei der Stollenbäckerei verwendet. Von 1944–1952 besuchte Joachim Bauer die Schule. In der Peniger Maschinenfabrik und Eisengießerei (später VEB Getriebewerk Penig) lernte er den Beruf eines Spitzendrehers. Wegen des Arbeitskräftemangels konnte man die Lehrzeit von zweieinhalb auf zwei Jahre verkürzen, die Facharbeiterprüfung vorziehen. Davon hatten beide Seiten etwas, denn für den Lehrling hieß das eher Geld verdienen zu können. Joachim Bauer gelang dieser Weg. Er blieb im Betrieb und arbeitete im Hauptwerk als Spitzendreher. Schlammpumpen für den Russland-Export waren ein Hauptprodukt der Firma. Sein ganzes Arbeitsleben hat Joachim Bauer in dem Betrieb verbracht, 42 Jahre im Dreischichtsystem auf Leistung gearbeitet. Seine Frau Ruth (Hochzeit 1960, verstorben 2004) organisierte die kleine Familie, zu der ab 1966 auch Tochter Kerstin (Sekretärin) gehörte. Den monatlich in der DDR gewährten Haushaltstag für Frauen nutzten die Eheleute für gemeinsame Unternehmungen. 1994 wurde Joachim Bauer entlassen, 1998 ging er mit Abzügen in die Rente. Noch heute schwärmt Joachim Bauer von dem Zusammenhalt der früheren Kollegen, von der gemeinsamen, verantwortungsvollen Arbeit und den erlebnisreichen Brigadeveranstaltungen. Einige der Ehemaligen treffen sich auch jetzt noch regelmäßig. Sein Grundstück und Reisen mit seiner Frau wurden zum Lebensinhalt als der Ruhestand begann. Auf seine zwei Enkel (Informatiker und Koch) ist er stolz. Ebenso auch auf die Tochter und die eigene Lebensleistung. „Vielleicht hätte man auch manches anders machen können, doch ich bin mit meinem Weg zufrieden“ sinniert er und freut sich noch einmal eine Lebensgefährtin gefunden zu haben mit der er die verbliebene Zeit teilen kann. Dass es der Familie gut geht ist sein größter Wunsch.