MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gisela Bayer
Als Botschaftsangehörige in Bukarest und Warschau
Rentnerin
09120 Chemnitz
In der Gemeinde Rabenstein (1950 nach Chemnitz eingemeindet) kam Gisela Bayer 1931 als Tochter einer Schneiderin und eines Autoschlossers zur Welt. Die Volksschule schloss sie 1945 mit der 8. Klasse ab, dann folgte das Pflichtjahr in einer Gärtnerei. Drei Jahre besuchte sie, plus einem Jahr Praktikum, 1946–1950 das Seminar für soziale Frauenberufe in Chemnitz, machte an dieser Fachschule 1950 das Examen als Wirtschaftsleiterin. Danach wurde sie vom Rat der Stadt in Heimen der Jugendhilfe eingesetzt. Nach der Geburt des Sohnes Steffen 1951 erhielt sie eine Stelle in der Verwaltung, widmete sich auch hier in der Abteilung Jugendhilfe und Heimerziehung diesen Aufgaben. 1957 gab sie die Arbeit auf, weil als zweites Kind Tochter Uta geboren wurde. Mit Umzug in einen anderen Stadtteil 1961, folgte sie dem Aufruf des DFD (Demokratischer Frauenbund Deutschland) an nichtberufstätige Frauen und nahm eine 6-Stunden-Arbeit im neu aufzubauenden Versandhaus "Konsument" an, an der sie fortan viel Freude hatte. Als ihr Mann Willy (Dipl.-Ingenieurökonom), den sie 1950 geheiratete hatte, 1962 an die wirtschaftspolitische Abteilung der Botschaft der DDR in Bukarest berufen wurde, folgte sie ihm für vier Jahre in die rumänische Hauptstadt. Zurück in Karl-Marx-Stadt (wie Chemnitz von 1953–1990 hieß) nahm sie wieder ihre – mit befristetem Aufhebungsvertrag unterbrochene – Tätigkeit als Sekretärin im Konsument-Versandhaus auf, doch bereits 1970 ging es für die Familie nach Polen, wo ihr Mann als verantwortlicher Diplomat Wirtschaftsverträge zwischen der DDR und Polen vorbereitete und abschloss. In Warschau blieben sie sechs Jahre. Als sie danach wieder im Versandhaus anfing, zeigte sich, dass dieses Umstrukturierungen zum Opfer fiel, sie half noch bei der Personalabwicklung, fand 1978 im Bereich Außenhandel des Kombinats Textima Karl-Marx-Stadt ihren neuen Arbeitsplatz bei der Bearbeitung des Exports von Ersatzteilen der hier produzierten Textilmaschinen. 1990 war es für sie ein einschneidendes Erlebnis in einer einberufenen Mitarbeiterversammlung informiert zu werden, dass alle über 55-jährigen in den Vorruhestand gehen müssen – so auch sie. Ein herber Schlag!
Zwanzig Jahre war sie als Mitglied bzw. Vorsitzende der Jugendhilfekommissionen ehrenamtlich im Einsatz. Heute ist sie aktives Mitglied im Kreisverband des Bundes der Ruheständler, Rentner und Hinterbliebenen (BRH), dem Seniorenverband des deutschen Beamtenbundes (dbb), widmet sich dessen sozialen Anliegen, war lange Zeit Schriftführerin im Vorstand.
Da ihr Mann 1993 verstarb, sind die beiden Kinder (Sohn und Tochter), die fünf Enkelkinder und neun Urenkel wichtige Bezugspunkte ihres Lebens. Reisen mit Freundinnen und Freunden, gemeinsame Konzertbesuche, die Teilnahme am Reha-Sport – all dies möchte sie nicht missen. Und da wäre noch die geliebte Katze…