MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Karl Bauerfeind
Übern Berg ist die Heimat
Akkordeontischler und Erzieher
08248 Klingenthal
Die Heimat liegt heute gleich hinter der tschechischen Grenze, im damaligen Schwaderbach wurde Karl Bauerfeind 1923 geboren, die heimische Landwirtschaft war nach dem Krieg verloren, in den er unaufgeklärt und jung sich mit 16 meldete, in den er mit 17 zog, von Berlin nach kurzer Ausbildung an die Ostfront geschickt, zuletzt in Ungarn eingesetzt, dann durch ganz Österreich gewandert, bis in Bischofshofen die Amerikaner ihn in Gefangenschaft nahmen.
Vor dem Krieg hatte er noch nach dem Besuch der Volksschule Akkordeontischler gelernt, in Sachsenberg/ Georgenthal gearbeitet, als er 1946 aus der Gefangenschaft in die Westzone entlassen wurde, kehrte er wenig später doch zu Mutter und den Schwestern zurück, die aus den nun tschechischen Gebieten ausgewiesen worden waren, inzwischen in Rodewisch wohnten.
Im alten Beruf fand Karl Bauerfeind Arbeit, nunmehr in Klingenthal mit der traditionsreichen Musikinstrumentenindustrie. Dem im Krieg gebliebenen Kameraden, dem er versprochen hatte, sich um Frau und Sohn zu kümmern, konnte er gerecht werden, so erwuchs ihm die eigene Familie, Heirat 1947, der der zweite, der gemeinsame Sohn hinzu kam, der sich nun zwei Enkel und vier Urenkel zurechnen dürfen.
Der inzwischen volkseigene Betrieb Harmonikawerke in Klingenthal ließ ihn 1960 in das zugehörige Lehrlingswohnheim als Erzieher wechseln, die eingeschlossene Wohnung war in jenen Mangeljahren für die Familie ein großer Gewinn. Seine Frau arbeitete als Köchin, er kümmerte sich zuerst allein, dann mit weiteren Erziehern um 25-40 Lehrlinge, von denen sich viele noch immer freundlich an ihn erinnern, ihn auch einmal besuchen. Die nunmehr vierzigjährige Freundschaft mit einer polnischen Familie datiert aus diesen Zeiten.
In der Gesellschaft für Sport und Technik (GST), er war Amateurfunker und insbesondere für die nachrichtentechnische Ausbildung eingesetzt, war er lange engagiert, seine Schützlinge wurden DDR-Meister, er selbst für die Arbeit in diesem Bereich mit Auszeichnungen bedacht.
Als das Lehrlingswohnheim 1985 geschlossen wurde, ging auch Karl Bauerfeind in Rente, pflegte viele Jahre nun seine Frau, die dann 2008 verstarb. Auch wenn er sich heute nicht mehr aktiv einbringen kann, er nimmt sich in die Pflicht, macht von Reinigung bis Kochen alles selbst, ist stolz auf ein aus schwierigen Zeiten in ein erfülltes Arbeitsleben gewandeltes Dasein.