MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Sabine und Günter Horn
„Das meiste Glück genießt, wer mit sich zufrieden ist.“ (Bernd Winkel)
Steutzer Landstr. 17 a
06862 Dessau-Roßlau OT Rietzmeck
Fon: 034901 / 67189
Günter Horn, 1950 geboren, Sohn eines Schmiedes und einer Küchenhilfe, hatte sehr genaue Vorstellungen von seiner beruflichen Zukunft. Mauerer wollte er unbedingt werden, verließ deshalb nach der 8. Klasse die Schule und lernte diesen Beruf. Auf Grund seiner sehr guten Leistungen konnte er schon nach 2 ½ Jahren seinen Facharbeiterbrief in Empfang nehmen und im BMK Bitterfeld im Gleitbau die Arbeit aufnehmen. Nach dem Ableisten seines Grundwehrdienstes, blieb er im Beruf, wechselte aber den Betrieb, ging in die DHW (Deutsche Hydrierwerke Rodleben GmbH). Es folgte die Abwerbung in die LPG Pflanzenproduktion Thießen wo er ebenfalls als Maurer begann, parallel eine Meisterschule besuchte (Abendschule), diese als Industriemeister 1975 erfolgreich abschloss. Da diese Ausbildung nach der Wende keine Anerkennung erhielt, drückte er erneut die Schulbank mit dem Ziel den Handwerksmeister-Titel zu erlangen – erfolgreich (1992). Beide Weiterbildungen waren die Grundlage für sein berufliches Vorwärtskommen. Nach 14 Jahren LPG-Tätigkeit kam er im VEB Impfstoffwerk Dessau-Tornau als Meister zum Einsatz und als diese Tätigkeit mit der Wende endete setzte er auf seine fundierte Ausbildung und seine jahrelangen Erfahrungen und wagte den Schritt in die Selbstständigkeit. Bis 2005 bewährte er sich so, musste dann die Firma aufgeben. Er erinnert sich an die unstete Zeit für Handwerker nach der Wende: Beginnend mit großem Nachholbedarf und guter Zahlungsmoral, musste er schnell auch Erfahrungen sammeln mit zahlungsunwilligen Kunden die für Handwerksbetriebe oft zur Zerreißprobe wurden. Zwei Jahre war er noch in einer Kellerbaufirma tätig, erlitt hier jedoch einen Betriebsunfall. Der Mann, den bis dahin Arbeit, Verantwortung und gesellschaftliche Tätigkeit (VP-Helfer bis zur Wende) gefordert hatten, sah sich 2007 als EU-Rentner in den Ruhestand versetzt, musste sein Leben neu ausrichten.
Ehefrau Sabine, 1952 geboren, Abschluss 10. Klasse, wurde frühzeitig Mutter (Tochter Urte, geb. 1969, Lehrerin), weshalb sie statt einer Lehre eine Arbeit aufnahm um sich vorerst um die Entwicklung der jungen Familie (Heirat 1970) kümmern zu können. Erst später nahm sie die Chance wahr, sich im Rahmen der Erwachsenenqualifizierung und mittels Abendschule zum Agrotechniker zu qualifizieren, einen Beruf den sie dann 20 Jahre in der LGP Pflanzenproduktion Thießen ausübte. 1973 hatte sich Tochter Eike (Schäferin, Hotelfachfrau) der Familie zugesellt und diese ging mit den Gedanken an eine stabile berufliche Zukunft in die Wendezeit, denn „...wir dachten, gegessen wird immer...“, sagt Sabine Horn. Doch es kam anders, sie wurde nicht mehr gebraucht, wurde arbeitslos. Mit indessen 42 Jahren absolvierte sie eine Umschulung zur Landschaftsgärtnerin, eine schwere Herausforderung, deren erfolgreiches Meistern ihr für zwei Jahre wieder eine Arbeit eintrug. Dann folgten unstete Jahre mit kurzen Beschäftigungen, Weiterbildungen und letztendlich 15 Jahre Anstellung auf dem Schlachthof mit Akkordarbeit am Fließband – 10 Stunden am Tag, am Abend komplett ausgepowert. Mit 63 Jahren in Rente gehen zu können war eine Erlösung. Jetzt freuen sich die Eheleute über ihren Garten, die drei Enkel, Hund und Katzen. Günter Horn engagiert sich als Fährmann und beide genießen die dabei entstandenen Kontakte mit Freunden, Bekannten, Urlaubern. Familientraditionen bereichern das tägliche Leben.