MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Karl Hunger
Ein Leben mit der Landwirtschaft
Landwirt
Staupitzstr. 5
04668 Grimma OT Ostrau
Der Landwirt Karl Hunger blickt auf ein Leben zurück, das von harter und fleißiger Arbeit geprägt gewesen ist. „Ich muss bis heute immer etwas zu tun haben, sonst werde ich unruhig“, meint er. Geboren wird er am 11.11.1930 in Scheergrund. Sie sind sechs Jungen im Haus und bekommen trotzdem nie Schläge, selbst wenn sie einmal etwas über die Stränge schlagen. Doch die Strafen sind dafür umso wirkungsvoller. Als Karl Hunger einmal vor dem Osterfest mit Eiern wirft, bekommt er als Einziger kein Ostergeschenk und muss zuschauen. Der älteste Bruder fällt noch im Frühjahr 1945 im Harz, der Vater muss 1939 in den Krieg ziehen und kehrt 1946 aus der englischen Kriegsgefangenschaft zurück. Karl Hunger kann sich noch gut daran erinnern, wie zu Pfingsten 1944 die Bomberverbände ihre Ziele anfliegen. Mit 14 arbeitet er bereits auf dem Feld mit und pflügt mit drei Pferden, er ist so klein, dass er zunächst nicht erkannt wird.
Nach der Schule erhält er eine Ausbildung zum Landwirt, später nehmen die Eltern eine Neubauernstelle an. Als ihm bei einem Unfall der Nervenstrang im Arm zerschnitten wird sind drei Finger taub. Der Nervenstrang kann nur ohne Narkose genäht werden. Zwei kräftige Männer halten ihn fest. Die Schmerzen hat Karl Hunger bis heute nicht vergessen.
Karl Hunger lebt seit 1952 in Ostrau, hier lernt er auch seine Frau Annelies kennen, die er 1957 heiratet. Aus der Ehe gehen drei Kinder hervor. Der 1960 geborene Sohn Klaus ist selbstständiger Ingenieur in Markleeberg, seine Schwester Petra wird 1966 geboren. Sie ist studierte Landwirtin und arbeitet heute als Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin. Im Jahr 1968 kommt die Tochter Birgit zur Welt. Die studierte Agraringenieurin arbeitet heute als Computerkartografin und wohnt noch bei den Eltern. Als Schulkind wird sie Sachsenmeisterin im Springreiten. Insgesamt können sich Annelies und Karl Hunger über fünf Enkelkinder freuen. Sie sind sehr glücklich über das gute und solidarische Zusammenleben ihrer Familie.
Karl Hunger arbeitet ab 1960 für einige Jahre als LPG-Vorsitzender und später als Feldbaubrigadier. Im Jahr 1974 übernimmt er den Läuferstall der Schweinezuchtanlage. „Mit acht Kilo sind die kleinen Ferkel rein- und mit 33 Kilo wieder rausgekommen“, erinnert er sich.
Seit 1990 ist Karl Hunger Rentner und blickt auf sein Arbeitsleben als eine sehr schöne Zeit zurück. Ihr Land haben die Hungers zur Pacht der Genossenschaft überlassen.
Karl Hunger lebt sehr gern in Ostrau und schätzt vor allem die gute und ehrliche Nachbarschaft der hier lebenden Menschen. Gern verbringt er die Zeit mit Holzmachen und erledigt alle Arbeiten mit der Hand, eine Kreissäge ist tabu. Bei Ungerechtigkeiten kann er sehr ärgerlich werden, ansonsten soll sein Leben so weiterlaufen wie bisher.