MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Bernhard Hottenrott
Gelernt und gelehrt
Reichsbahnrat
Lerchenweg 18
04860 Torgau
Bernhard Hottenrott, 1934 geboren, wuchs im Eichsfeld auf – damals eine arme Gegend. Schon ab dem 10. Lebensjahr hatte er die Gartenpflege übernommen und als es auf das Ende der Schulzeit zuging, entschied er für sich Gärtner zu werden. Die Mutter fragte: „Willst du Knecht werden?“ und regte damit zum Nachdenken an, dass dieser schlecht bezahlte Beruf wohl kaum eine Zukunft für eine spätere Familiengründung hatte. Doch Lehrstellen gab es kaum nach dem Krieg und so war es ein glücklicher Umstand, dass die Eisenbahn erstmals nach dem Krieg wieder Lehrlinge einstellte und Bernhard Hottenrott 1948–1951 hier als einziger Lehrling im Kreis Betriebs- und Verkehrsdienst lernen konnte. Aus einer begehrten Weiterbildung zum Buchhalter wurde nichts, die angebotene zum Juristen, wollte er nicht. Eine Ausbildung für die mittlere Beamtenlaufbahn absolvierte er. Als 1952 die Partei den Beschluss fasste, den Sozialismus aufzubauen, wurden entsprechende Kader benötigt. Bernhard Hottenrott gehörte zu den Ausgewählten, besuchte Lehrgänge, Seminare und die Parteischule (1957) und wurde dort im Anschluss als Assistent eingestellt. Seine Überzeugungen unterlagen den neuen Erkenntnissen, was zu seinem Austritt aus der katholischen Kirche führte. 1959 führte ihn neuer beruflicher Einsatz an die Sonderschule der politischen Verwaltung der Reichsbahn Torgau. Auf der Abendschule erlangte er sein Abitur und studierte 1959–1965 an der Fachschule, die er als Ingenieur für Eisenbahn- und Betriebstechnik abschloss. Seinem Engagement lag die Gewissheit zu Grunde, dass nur fachliche Kompetenz auch politische Kraft bedeutet. Gerne folgte er daher auch dem Hinweis seines damaligen Schulleiters auf die Notwendigkeit der Weiterführung seiner Ausbildung mit einem zweijährigen Fernstudium Pädagogik und Psychologie am Pädagogischen Institut Halle. Tagsüber als Lehrer in der Ausbildung von Eisenbahnern, am Abend und am Wochenende eigene Weiterbildung – so sah sein Leben damals aus. Er kann sich nicht erinnern, wie viele Jahre seines Lebens er selbst die Schulbank drückte, aber es waren sehr viele und endete erst 1980 mit der Erlangung des Abschlusses als Diplom-Philosoph. Mit der Wende änderte sich sein Tätigkeitsfeld, wurde er an einer Betriebsschule des Reichbahnamtes Wittenberg im Internat als Erzieher und als Vertretung im Unterricht eingesetzt, bis er 1991 in den Vorruhestand verabschiedet wurde. Mehrfach ist er für seine Arbeit in der DDR als Aktivist und verdienter Aktivist ausgezeichnet worden. Er ist auch heute noch politisch interessiert, hält sich körperlich fit mit täglichem Radfahren. Er möchte noch lange gesund leben, um seine Kinder Ines (geb. 1966, Dipl.-Ing.) und Dirk (geb. 1968, Kaufmann) sowie seinen Enkel in ihrer Entwicklung erleben zu können.