MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Rernate Holz
Das Leben genießen
Revolverdreherin in einer Firma für Obstbau
Kroptewitz
04703 Leising OT Kroptewitz
Fon: 034321 / 20100
Renate Holz ist ein Mensch, der sehr viel Freude am Leben hat. Sie wird 1942 in Leisning geboren und verlebt hier eine arme, aber sehr schöne Kindheit mit vier Geschwistern bei guten Eltern. Der Vater ist ein ruhiger und besonnener Mensch, dem ein Arm beim Maschinenputzen abgerissen worden ist. Bis heute sieht ihn Renate Holz als ihr Vorbild an. Die Mutter arbeitet in der Nudelfabrik in Leisning und verwaltet später den Miruspark, einen Busparkplatz. Die Tochter harkt dort nicht nur die Wege, sondern spielt hier auch mit ihren Freunden Völkerball, Versteck, Kreiseln oder Murmeln. „Das Essen in dieser Zeit war sehr karg, aber dafür habe ich heute noch gesunde Zähne“, erinnert sie sich humorvoll. Den Luftschutzkeller am Mirusplatz hat sie ebenfalls nicht vergessen.
Die Schule verlässt Renate Holz nach der achten Klasse und erlernt anschließend den Beruf einer Revolverdreherin. „Ich hätte mehr aus mir machen können“, blickt sie heute selbstkritisch zurück. In den fünfziger Jahren folgt sie dem Aufruf „Industriearbeiter aufs Land“, sie will endlich auch mal von zu Hause weg. In Haslau hütet sie Kühe und hat bald sehr dicke Hände von dem ungewohnten Handmelken. Von dem Ehepaar, bei dem sie untergebracht ist, bekommt sie kein Geld und nur wenig zu essen. Der Vater holt sie nach einem Jahr von hier weg. Anschließend arbeitet Renate Holz auf einer Entenfarm der BHG und engagiert sich in der FDJ, dem DFD und im Gemeinderat. „Wir haben viel Spaß gehabt und auch gefeiert“, erinnert sie sich. Sie erhält eine Delegierung zum Bauernkongress in Rostock und lernt hier ihren Mann kennen. Nach der Hochzeit am 23. Dezember 1961 – man will den Trauschein, bevor das erste Kind zur Welt kommt, deshalb die Eile – zieht Renate Holz zu ihrem Mann nach Sitten. Kurz nach der Hochzeit wird der Sohn Steffen geboren, der als Stadtgärtner arbeitet und zwei Kinder hat, 1975 folgt die Schwester Katja, die in der Diakonie tätig ist und ebenfalls zwei Kinder hat. Renate Holz ist sehr stolz auf die Entwicklung der Kinder und ihre vier Enkel.
Ab 1961 arbeitet sie im Gemeindeamt Sitten, als Aushilfskraft in einem Kindergarten und wird Mitglied der LPG, wo sie kaum etwas verdient. Ab 1979 fängt Renate Holz im Obstbau an. Sie legt mit 37 Jahren ihre Facharbeiterprüfung ab, leistet eine harte Arbeit und erlebt ein sehr gutes Betriebsklima. „Diese zwölf Jahre sind die schönste Zeit in meinem Arbeitsleben“, blickt sie heute zurück. Nach einer schweren Operation scheidet sie 1991 aus. Sie versucht sich als selbstständige Verkäuferin, überwirft sich mit dem Eigentümer, übernimmt dessen Geschäft kurzfristig selbst und geht nach der Einführung des Euro in die Rente. Renate Holz freut sich über ihre gute Gesundheit und träumt von einer Reise in das Himalajagebirge.