MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Leo Hohmann
Das Leben muss weitergehen
Ökonom / Meister / Gewerkschaftler O7937 Zeulenroda-Triebes
Leo Hohmann, geboren 1920 im ostpreußischen Glockstein, kann sich noch an viele Lebensstationen genau erinnern, nur mit den Jahreszahlen hat er ein paar Schwierigkeiten. Er wuchs mit sechs Geschwistern auf. Da der Vater Eisenbahner war, hatte er ein Grundstück unweit der Schienen gepachtet. Dort hielt die Familie Hühner, Enten, Gänse und Schweine. Als Leo Hohmann 16 war, musste er zum Arbeitsdienst. Danach ging er nach Königsberg zur Luftwaffe. „Zu Kriegsbeginn 1939 absolvierte ich in Nordhausen (Thüringen) eine Ausbildung zum Bordfunker. Später kam ich in Krakau und Lüneburg zu den Langstreckenbombern. Im Sommer 1940 stürzte mein Bomber in die Irische See. Ich überlebte, geriet in Gefangenschaft und wurde mit dem Auto nach London gebracht“, erzählt Leo Hohmann. In England arbeitete er in einer Zuckerfabrik, wurde nach Kanada verlegt und kehrte danach ins Königreich zurück. Weihnachten 1946 wurde er entlassen. In Hamburg warteten bereits Onkel und Tante auf ihn. Im dortigen Wasserwerk verdiente sich der Heimkehrer ein paar Mark. Er sah sich nach einem anderen Job um, kontrollierte Wasserpumpen und war bei einer Fisch-Räucherei beschäftigt. Diese Arbeiten wurden besser bezahlt. „Ich musste aber auch an meine Zukunft denken. Weil Klempner gesucht wurden, erlernte ich diesen Beruf und führte in Hamburg drei Jahre lang die verschiedensten Reparaturarbeiten aus“, erinnert sich Leo Hohmann. Später lernte er die Näherin Rosel kennen und lieben, eine Kriegswitwe aus der DDR. Er zog zu ihr ins thüringische Zeulenroda, übernahm und bewirtschaftete nach der Heirat das Haus und Grundstück der Schwiegermutter. Bei der Firma Blell erledigte Leo Hohmann Hofarbeiten. Danach stand er in der Werkzeugmaschinenfabrik WEMA an einer Vertikalbohrmaschine, absolvierte einen Meisterlehrgang und erhielt das Vertrauen seiner Kollegen.
„Ich wurde zum Gewerkschaftsvertrauensmann gewählt und war Instrukteur bei der IG Metall. Eine Zeit lang führte ich die Kreisvorstände der IG Chemie, Handel, Nahrung und Genuss von Greiz und Zeulenroda. Da war ich oft mit meinem Dienst-Moped unterwegs“, schmunzelt Leo Hohmann. Danach kehrte er zur WEMA zurück, kümmerte sich um neue Maschinen und Technologien. 1985 ging er in den wohlverdienten Ruhestand. Weil Leo Hohmann schon seit mehr als vier Jahrzehnten Witwer ist, geben ihm Sohn Steffen, die Enkel und Urenkel Kraft zum Leben.