MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Rosmarie Hofmann

„Fällt eine Tür in’s Schloss, geht eine andere auf...“ hofft Rosmarie Hofmann

Rosmarie Hofmann

mit Tochter Angela
Gärtnerin
Heynitzer Str. 60
01683 Nossen OT Heynitz
Fon: 035244 / 41225

Rosmarie Hofmann, geb. Hennig kam als einziges Kind einer angelernten Gärtnerin und eines Gartengestalters 1935 in Meißen zur Welt. Das Mädchen hing sehr an dem Vater, war stolz auf seine Arbeit, die ihn bis nach Österreich führte. Sie erinnert sich noch an die Nächte in denen der Vater seine Zeichnungen für die neuen Gärten entwarf und seine Leidenschaft für die Arbeit. 1919 war der Betrieb gegründet worden. Was mit Frühbeet-Kästen begann, einem Erdhaus-Bau weiterging und in der Freilandgärtnerei mündete (Stauden, Ziergehölze, Obstbäume...) wuchs zu einer Firma heran, die im Jahr 2019 den 100. Geburtstag feiert. Während der Vater zum Kriegsdienst eingezogen war, hielt die Mutter die Gärtnerei mit fünf Angestellten und einem polnischen Zwangsarbeiter aufrecht. Rosmarie Hofmann berichtet von dem nachhaltigen Ärger, dem ihre Mutter ausgesetzt war wegen ihrer Einstellung: „Wer hier mit arbeitet, sitzt hier auch mit am Tisch“. Es war verboten, dass Zwangsarbeiter in Stube und Küche aßen. Der Vater geriet am Kriegsende in Gefangenschaft. Er kehrte nie nach Hause zurück. Trotz umfangreicher Nachforschungen konnte sein Verbleib erst im letzten Jahr aufgeklärt werden. Die Hoffnung nach dem Krieg wieder auf seine beruflichen Erfahrungen und Leistungen zurückgreifen zu können, erfüllte sich damit nicht. Die Arbeit in der Gärtnerei und den vier Hektar Landwirtschaft blieb in der Verantwortung der Mutter. Eine schwere Zeit brach an. Als das Mädchen Rosmarie 1949 mit der 8. Klasse die Schule verließ, konnte sie somit nicht ihrem Wunsch Krankenschwester zu werden nachgeben, sondern musste eine Lehre bei einem Gärtner in Meißen antreten, um als Facharbeiterin in den Familienbetrieb eintreten zu können. Mit 17 Jahren nahm sie anschließend im elterlichen Betrieb die Arbeit auf. Ihren Mann Heinz, (Landwirt, Mitglied Freiwillige Feuerwehr, sehr beliebt und bekannt, 2013 verstorben) den sie bereits aus Kindergarten- und Schulzeit kannte, war da ebenfalls zeitweise in der Gärtnerei beschäftigt. Aus der Kinderfreundschaft und Arbeitsgemeinschaft wurde Liebe. 1955 heirateten die beiden, 1959 wurde Tochter Angela (Porzellanmalerin) geboren. Sie hat indessen für fünf Enkelkinder gesorgt und damit auch dafür, dass der Fortbestand des Familienunternehmens gesichert ist. Bis 1960 wurde privat produziert, dann ging der Hof und die Gärtnerei in der LPG auf. Heinz Hofmann arbeitete als Traktorist in der LPG weiter, Rosmarie Hofmann (18 Jahre im LPG-Vorstand) war nun in der Gärtnerei angestellt tätig – bis zur Wende. Im Zuge der Auflösung der Genossenschaften und der Möglichkeit der Eigentumsrückerlangung (nun unter immensen Kosten für die Hofmanns), starteten sie – indessen 55-jährig – neu durch, privatisierten sich wieder. Eine große Herausforderung, denn drei Gärtnereien lagen territorial dicht beieinander und die Kunden wollten kein frisches Gemüse mehr. Sie kauften lieber die neuen Westprodukte in Konservenform. Das Ehepaar verlegte sich auf Blumen- und Pflanzenanbau, bildete folgend auch Floristen (vor allem Umschüler) aus. Das Betreiben der Gärtnerei und der Gewächshäuser sowie das Verpachten der landwirtschaftlichen Flächen an die Agrargenossenschaft sorgte zeitnahe für einen guten Aufschwung. Mit der Eröffnung der großen Märkte und Preisdumping änderte sich das. Billigpreise gingen den Kunden jetzt vor Qualität. Mit Großabnehmerpreisen konnte man nicht mithalten. Durch Fleiß, Ehrlichkeit, Herzblut und Enthusiasmus konnten sich die Hofmanns trotzdem behaupten. 2012 übergaben sie die Gärtnerei in die Hände der Enkelin, die kämpferisch versucht das Familienunternehmen zu erhalten – doch es wird immer schwerer sich als Kleinbetrieb am Markt zu behaupten. Rosmarie Hofmann stimmt das traurig, denn natürlich hängt viel Erinnerung und viel Herzblut an dem Familienbetrieb. Tochter Angela versteht das gut. Die beiden sind sich sehr zugetan und stolz aufeinander. „Ich bin ein Löwe, eine Kämpfernatur... „ sagt Rosmarie Hofmann und erklärt damit wie sie alle Herausforderungen im Leben gemeistert hat. Und morgen (2019 indessen 83-jährig!) wird sie wieder um 5.00 Uhr aufstehen, in die Gärtnerei gehen und sehen was sie tun kann....
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