MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gerhard Hohenberg
Geprägt durch die verschiedensten Systeme
Heinrich-Heine-Str. 19
01833 Stolpen
Fon: 035973 / 25646
Gerhard Hohenberg hat in seinem Leben drei Gesellschaftssysteme erlebt. Er kommt 1933 in Schlesisch-Drenow im Kreis Grünberg / Schlesien zur Welt, mit elf Jahren muss der den Tod der Mutter verkraften. Der Vater, ein Zimmermann, hat das Glück, den Krieg zu überleben, zur Familie gehören außerdem noch zwei jüngere Schwestern.
Schon als Kind will Gerhard Hohenberg Gärtner werden. Wenn man ihn ruft, findet man den Jungen meist bei der Arbeit an seinem eigenen Beet in Garten seines Elternhauses.
Ab 1940 besucht er die Schule in Grünberg. Ende Januar 1945 muss die Familie infolge von Kriegshandlungen an der Oder Schlesien verlassen. Nach einer Odyssee durch verschiedene Städte erlebt Gerhard Hohenberg das Kriegsende im völlig zerstörten Magdeburg nach drei Tagen im Keller.
Er beendet 1948 die Schule, ein weiterer Besuch kommt nicht in Frage, da er zum Unterhalt der Familie beitragen muss. Eine dreijährige Lehre schließt er am 30. Juni 1951 als Baumschulgärtner ab. Der frisch gebackene Geselle wird zunächst von seinem Ausbildungsbetrieb übernommen, ein Jahr später fängt er an der Großbaumschule „Ernst Thälmann“ in Ketzin an der Havel an. Ab 1954 ist er hier als Lehrausbilder und stellvertretender Lehrmeister für 65 Lehrlinge verantwortlich und erwirbt ein Jahr später das nötige Fachwissen an einer Lehrmeisterschule, auf der er auch seine Frau Inge kennenlernt. Diese hält zu ihm, als er im Jahr 1956 an einer schweren Tuberkulose erkrankt. Das junge Paar heiratet 1958. Zur Familie gehören die im Jahr 1961 geborene Tochter und der drei Jahre später geborene Sohn. Inzwischen ist Gerhard Hohenberg stolz auf vier Enkel und einen Urenkel. Die Frau Inge arbeitet als Heimerzieherin, in der Materialausgabe eines Betriebes und bis 1990 bei der Post. Nach der Geburt der Kinder ist sie Hausfrau.
Die große Wohnungsnot in der DDR zwingt Gerhard Hohenberg immer wieder zu Arbeitsplatzwechseln. Nach einer zweijährigen Arbeit am Institut Pillnitz fängt er am 9. Januar 1961 im Volkseigenen Gut (VEG) Stolpen als Fachmann für Obstplantagen an und baut nebenbei im Dachgeschoss des Hauses seiner Schwiegereltern eine Wohnung für sich und die Seinen aus. Die letzte Ernte auf dem VEG wird im Herbst 1990 eingebracht. Er bildet noch seinen jungen Nachfolger aus und nimmt selbst die Vorruhestandsregelung in Anspruch, das Gut wird später aufgelöst.
Gerd Hohenberg war 20 Jahre Vorsitzender der Betriebsgewerkschaftsleitung, Hobbyimker, Stellvertretender Vorsitzender der Kleingärtner, Ausstellungsleiter, Baumschutzbeauftragter. Nach dem Fall der Mauer nutzt er ausgiebig die in der DDR so stark eingeschränkte Reisefreiheit.