MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gerd Hohensee
Eine Bäckerei in ihrem Kiez
Bäckermeister
Alt-Wittenau 53 13437 Berlin-Wittenau Fon 030 / 4144320
Der Bäckermeister Gerd Hohensee wird 1936 in Berlin-Hermsdorf geboren. Sein Leben ist eng mit der Geschichte des Berliner Nordens verbunden, er ist in seiner Heimat verwurzelt und kann sich nicht vorstellen, woanders zu leben. Wenn er einmal im Urlaub ist, verspürt er bald Sehnsucht nach seiner vertrauten Umgebung. Und das hat seinen guten Grund. Das Haus in dem Gerd Hohensee heute lebt und in dem sich jahr-zehntelang seine Bäckerei befunden hat, wird 1912 von seinem Großvater gebaut, der als Bäckermeister das Brot noch mit einem Pferdewagen in die Stadt liefert.
Gerade als traditionsbewusster Mensch ärgert sich der Bä-ckermeister über die vielen aufgezwungenen baulichen Verän-derungen an dem Haus, die sich durchaus nicht immer nur segensreich ausgewirkt haben. Sie sind für ihn ein Teil der ohnehin schon sehr vielen Fehlplanungen in der Stadt.
Gerd Hohensee absolviert ab 1952 eine zweijährige Bäckerleh-re bei seinem Vater und anschließend eine zweijährige Ausbil-dung zum Konditor bei der Firma Hubert Hermann. Anschlie-ßend sammelt er weitere praktische Erfahrungen in seinem Beruf bei der Firma Wagenknecht und bei einem Aufenthalt in Travemünde. Am 1. Januar 1967 übernimmt er das Geschäft von seinem Vater Max Hohensee.
Der Arbeitsalltag eines Bäckers ist hart. Schon um ein Uhr nachts steht Gerd Hohensee mit seinen Mitarbeitern in der Backstube, um den Ofen zu heizen und das Frühstücksgebäck, die Schrippen, die Knüppel und das Brot zu backen. Wenn die Arbeiten in der Backstube zwölf Stunden später erledigt sind, hat er noch lange keinen Feierabend. Dann sind entweder die Einkäufe bei der Metro oder die Buchführung zu erledigen. Zu den Feiertagen wie Weihnachten, Ostern oder Pfingsten warten die Kunden auf die entsprechenden Delikatessen, die zusätzlich zum laufenden Angebot zu backen sind.
Gerd Hohensee hat die Entwicklung der letzten Jahrzehnte in seinem Kiez hautnah miterlebt. Viele kleine Geschäfte sind nicht mehr da, auch er hat zunächst Schwierigkeiten, als er ab 1997 eine Nachfolge für sein Geschäft sucht. Nach vier ge-scheiterten Anläufen führt nun seit Oktober 2010 eine türkische Familie erfolgreich das Geschäft.
Der rüstige Rentner hat immer noch viel Arbeit zu bewältigen. Im Haus und im Garten gibt es immer etwas zu erledigen, in Kürze muss das Dach renoviert werden. Mit seiner Frau Ilse ist er seit 1961 verheiratet, die gemeinsame Tochter arbeitet in einem Bürgerbüro des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg.