MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Rolf und Brigitte Hintersatz
Gottvertrauen
Webermeister
Wicklerin
Schusterberg 10
09306 Erlau OT Crossen
Der 1939 in Döbeln geborene Rolf Hintersatz und seine beiden Brüder mussten zeitig auf den Vater verzichten, der aus dem Krieg nicht heimkehrte. In bitterer Armut überstand die Familie die Nachkriegszeit. Acht Jahre von 1945 bis 1953 besuchte er die Körnerplatzschule Döbeln. Zwei Jahre dauerte seine Ausbildung zum Weber beim VEB Weberei Mittweida. Dort konnte er sich zum Meister entwickeln, doch sein Bekenntnis zu den Zeugen Jehovas sorgte für Irritationen und Diskriminierungen. Da wechselte er für ein halbes Jahr zu seinem Leipziger Bruder, arbeitete im dortigen VEB Bodenbearbeitungsgeräte (BBG). Zurück in Mittweida konnte er in einer kleinen Motorradvertragswerkstatt seine handwerklichen Fähigkeiten ausleben. 1961 brauchte ihn die Weberei Rüdiger & Söhne bei der Umstellung auf Automatisierung. Als in der DDR die Wehrpflicht eingeführt wurde, gehörte er zu den Verweigerern. Er musste eine neunzehnmonatige Haft antreten, als sein 1964 geborener Sohn Jens gerade sieben Wochen alt war. Nur machte die Obrigkeit einen Fehler, sie zog alle Wehrdienstverweigerer aus dem Kreis der Zeugen Jehovas in Berndsdorf bei Ueckermünde zusammen, 150 junge Männer, die sich nun gegenseitig in ihrem Glauben stärkten, politischer Umschulung und den Versuchen militärischen Drills widerstanden. Sie wurden dann auf verschiedene Haftanstalten verteilt, Rolf Hintersatz kam nach Bautzen. Als er nach Hause zurückkehren durfte, begann er wieder in der Weberei, doch die Schichtarbeit behagte ihm nicht, so wechselte er für lange, beruflich schöne Jahre zum VEB Dienstleistungskombinat Mittweida, reparierte dort vor allem Büromaschinen. 1990 kamen mit Ende der DDR und Einführung der DM wirtschaftliche Verhältnisse, in denen weniger repariert wurde. Rolf Hintersatz fand bis zum Eintritt in den Vorruhestand 1998 neue Aufgaben bei der Erstellung von Werbelogos und Beschriftungen auf Lkws (vor allem für die Brauereiindustrie) bei der Firma Strobel. Bei den Versammlungen der Zeugen Jehovas hatte er seine Frau Brigitte (geborene Lorenz) kennengelernt, 1962 wurde geheiratet. Sie stammt aus Chemnitz, wo sie 1937 geboren wurde und mit sieben Geschwistern aufwuchs. Nach achtjährigem Schulbesuch in ihrer Heimatstadt wechselte sie zur Schwester nach Ottendorf, arbeitete dort zwei Jahre in der Landwirtschaft, besuchte die diesbezügliche Berufsschule. Weitere Stationen waren als Haushaltshilfe für die Familie von Wäsche Wagner, die Papierfabrik in Dreiwerden und als Wicklerin in einer kleinen Firma für Elektroteile in Chemnitz. Nach der Hochzeit wirkte sie wie ihr Mann in der Weberei, später in einer Zwirnerei und einer Backstube, übernahm Heimarbeit für die Elektroindustrie. Heute freut sich das Ehepaar Hintersatz über ihr von Gottvertrauen geprägtes glückliches Eheleben sowie an fünf Enkelkindern.