MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gusti Hodek
Jedes Jahr Familientreffen
Gusti Hodek
Apothekerstr. 8
06217 Merseburg
Gusti Hodek aus Merseburg weiß eine große Familie um sich und genießt das Zusammensein mit Kindern und Enkeln. Einmal im Jahr gibt es ein Familientreffen, das ist Tradition für die Mutter von drei Söhnen und zwei Töchtern und Großmutter von sechs Enkeln. 1944 in Bad Dürrenberg geboren, ging sie von 1951bis 1963 zwölf Jahre zur Schule. Ihr Abitur machte sie an der Erweiterten Oberschule „Ernst Haeckel“ in Merseburg, wo sie heute noch gern lebt. Die Lehre zum Elektromechaniker musste sie, jung verheiratet mit Gunter, nach einem Jahr abbrechen, weil 1964 ihr erstes Kind zur Welt kam. Dem erstgeborenen Sohn folgte ein Jahr später der zweite Stammhalter (1965). „Ich habe mich beruflich durchgeschlagen und zwischenzeitlich im Kindergarten gearbeitet“, erzählt Gusti Hodek. Eigentlich wollte sie Bibliothekswesen studieren, musste aber wieder abbrechen, weil 1969 eine Tochter das Licht der Welt erblickte. 1970 wurde Gusti erneut Mutter einer Tochter. Von 1971 bis 1978 arbeitete die Merseburgerin als Verkäuferin in einem Fachgeschäft für Bürobedarf. 1978 wurde ihr fünftes Kind – ein Sohn – geboren. Zwei Jahre darauf begann die ehrgeizige Frau in der Merseburger Markthalle zu arbeiten. Bevor die Wende kam, machte sie als Verkaufsstellenleiterin noch ihren Abschluss zum Meister des Handels. Ihre erste Ehe, aus der alle fünf Kinder hervorgegangen sind, hielt 22 Jahre und wurde 1985 geschieden. 1987 lernte sie ihren zweiten Mann Horst (2011 verstorben) kennen. Das Paar heiratete 1989. Als Gusti Hodek in der Markthalle 1990 entlassen wurde, ließ sie sich nicht unterkriegen und fand eine Anstellung in einem Abwasserbetrieb. Dort war sie bis Ende 1991 beschäftigt. Eine Brustoperation zwang sie, den Dienst als Küchenleiterin in dem Unternehmen zu beenden. 1992 öffnete der Einkaufspark in Günthersdorf (heute Nova Eventis). Gusti Hodek sah ihre Chance erneut im Handel und arbeitete an einem Imbissstand. „Ich hatte viele Leute angelernt und war aber dann die Erste, die gehen durfte“, erinnert sie sich. Von zu Hause aus erledigte sie aushilfsweise Büroarbeiten für eine Firma. Danach wollte es Gusti Hodek noch mal wissen, sattelte beruflich wieder um und ließ sich zur Altenpflegehelferin ausbilden. 1998 war sie damit fertig, musste aber eine Kur wegen ihres Asthmas antreten. Sie wurde entlassen, stellte einen Antrag auf Rente, der abgelehnt wurde. Sie kämpfte weiter, ging in Widerspruch und hielt sich mit Haushaltsarbeiten über Wasser. Mit 60 trat die fleißige und stets arbeitssame Frau in die Rente ein, arbeitete aber noch stundenweise in einem Altersheim und versorgte die Bewohner mit Abendbrot. „Mit 67 Jahren habe ich dort aufgehört, mein Mann wurde sehr krank“, blickt sie auf das Jahr 2010 zurück. Heute genießt die passionierte Frühaufsteherin die Morgenstunden, wenn sie mit ihrem Hund draußen die ersten Runden dreht und anschließend gemütlich frühstückt – am liebsten auf dem Balkon, wenn das Wetter passt. „Der frühe Vogel fängt den Wurm“, heißt das Lebensmotto von Gusti Hodek, die mit vielen Schicksalsschlägen fertig werden musste. Ihren zweiten Sohn verlor sie viel zu früh, er starb 2015. Auf den Hochzeiten ihrer sechs Enkel zu tanzen und die Geburt des ersten Urenkelchens zu erleben, das wünscht sich Gusti Hodek. Noch lange will sie deshalb gesund bleiben. Wenn alle um sie herum sind, ist das der schönste Moment für die stolze Mutter und Oma, die gerne liest und strickt, sich mit ihren Freundinnen zu Unternehmungen trifft und früher viele Jahre in Familie einen Kleingarten bewirtschaftet hat. Gern erinnert sie sich an die große Gemeinschaft und den Zusammenhalt in der Gartenanlage. „So etwas gibt es heute gar nicht mehr“, sagt Gusti Hodek.