MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Johann Hoffmann
Im Leben sein Licht nicht unter den Scheffel stellen
Johann Hoffmann
Schützenstr. 75
08468 Reichenbach
Fon: 03765 / 62331
Johann und Gisela Hoffmann lernen sich 1956 während einer Kirmes in Bayern kennen und denken noch gern an die damaligen gemeinsamen Motorradausflüge zurück. Im Jahr 1958 heiraten sie und sind nun bald 58 Jahre verheiratet. Ein Jahr später gehen sie nach Reichenbach in die DDR zurück, um die kranken Eltern der Frau zu pflegen. Im Jahr 1954 ist Gisela Hoffmann nach einem Besuch des Katholikentages in Fulda im Westen geblieben. Der Sohn Thomas wird 1962 geboren, er ist gelernter Stahlbauer. Inzwischen gehören zwei Enkel zur Familie.
Johann Hoffmann kommt 1936 im bayerischen Holzfreying zur Welt, in der Familie gibt es fünf Kinder. Der Vater, ein Steinmetz, fällt im Krieg, die Mutter muss die Familie nun allein durchbringen. Nach acht Jahren verlässt der Sohn 1951 die Schule, um in den nächsten drei Jahren den Beruf eines Fleischers zu erlernen. Nach der Lehre arbeitet er als Geselle in verschiedenen kleineren Betrieben und legt bereits mit 22 Jahren die Prüfung als Fleischermeister ab. Nach der Ankunft in Reichenbach wird Johann Hoffmann im Laufe der Jahre ein überzeugter Vogtländer. Er arbeitet zunächst ein halbes Jahr in der Braunkohle und geht dann zum Volkseigenen Betrieb (VEB) „Delikata“, wo er bis 1994, also 35 Jahre tätig ist. Im Jahr 1965 schließt er ein Fernstudium als Ingenieur für Fleischwirtschaft ab. Zuletzt leitet er den Betriebsteil in Reichenbach. Johann Hoffman blickt mit Stolz auf sein Leben in der DDR zurück und bekennt sich auch heute noch zu seiner Mitgliedschaft in der SED. Bereits 1990 ahnt er, dass er unter dem neuen System keine berufliche Zukunft mehr hat und nimmt die Vorruhestandsregelung in Anspruch. Seitdem bastelt er sehr gern, die Frau arbeitet im Garten. Bereits vier Mal hat er an einer Rundfahrt durch seine bayerische Heimat teilgenommen und will noch einige Jahre bei guter Gesundheit verbringen.
Gisela Hoffmann wird 1934 in Radegast, im Kreis Köthen geboren, sie sind zu Hause drei Kinder. Der Vater arbeitet in einem Chemiebetrieb und ist viel krank, die Mutter besorgt den Haushalt. Nach dem Abschluss der achten Klasse arbeitet Gisela Hoffmann ab 1948 als Haushaltshilfe und ist nach ihrer Ankunft im Westen zwei Jahre Aushilfe im Krankenhaus und arbeitet dann in einer Holzfabrik, die Türen herstellt. Nach der Rückkehr nach Reichenbach ist sie ab 1959 dreißig Jahre Weberin im VEB Vogtlandstoffe und absolviert neben der Arbeit die Ausbildung zur Weberin mit Facharbeiterbrief. Eine Kirchgängerin ist sie schon sehr lange nicht mehr.
Johann und Gisela Hoffmann blicken mit Stolz auf ein Leben mit harter Arbeit, so mancher Niederlage und vielen kleinen Freuden zurück. „Wir brauchen unser Licht nicht unter den Scheffel zu stellen“ erklären sie selbstbewusst.