MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Hanni Hintersdorf
Immer vorwärts blickend
Birkenweg 37
06774 Muldenstein
Fon: 03493 / 56612
Gerne wäre das 1936 geborene Mädchen Hanni nach der 8. Klasse (1942–1950) Gärtnerin geworden. Der Vater mühte sich redlich, der Tochter diesen Wunsch zu erfüllen. Gemeinsam fuhren sie von Firma zu Firma. Doch 1950 wollte man dort entweder keine Lehrlinge oder nur männliche, denen schwere körperliche Arbeit zuzumuten war. Die Aussicht nun im Elternhaus lediglich kochen, putzen und Gartenarbeit verrichten zu können, bewog sie selbst aktiv zu werden. Im Arbeitsamt Bitterfeld erfragte sie die Möglichkeiten einer Ausbildung, konnte sich zwischen Schlosser, Schornsteinfeger und Chemie-Facharbeiter entscheiden. Letzteres schien ihr akzeptabel und so bewarb sie sich in der Filmfabrik Wolfen. Mit guten Ergebnissen bestand sie zweieinhalb Jahre später (1953) die Facharbeiterprüfung und begann als junge Fachkraft im wissenschaftlichen Forschungslabor für Faserforschung. Die in die Lehrjahre integrierte Laboranten-Ausbildung erwies sich dabei von Vorteil. Das Labor meldete zahlreiche Patente an und sowohl Nylon, als auch das in der DDR bekannte Wollpryla hatten hier ihren Ursprung. Hanni Hintersdorf hatte zu dieser Zeit ihren Mann Hans kennen gelernt, bewunderte als 17-jährige dessen Lebensweg und heiratete mit 20 Jahren. Zu jung, wie sie heute einschätzt, denn Bewunderung hält nicht lebenslang, wenn die eigene Entwicklung unbemerkt bleibt. Doch nicht alles war schlecht und zu den guten Sachen zählen die 1962 und 1967 geborenen Söhne Uwe und Jens. Wegen deren Geburten unterbrach sie auch ihre Arbeit im Forschungslabor und wechselte später als Sachbearbeiterin (1971–1978) in ein Baubüro. Diese Erdbaufirma hat die Erdarbeiten zur Muldeverlegung und des Muldestausees durchgeführt. Als anstehende Scheidung auch zur neuen Herausforderung für die Familienkasse wurde, musste eine neue Arbeit mit mehr Verdienst gesucht werden. Dieser Umstand führte zur Arbeitsaufnahme im Kraftwerk Muldenstein, wo sie nach erfolgreicher Erwachsenenqualifizierung zum Facharbeiter für Kraftwerksanlagen, als 1. Frau in der Männerdomäne Obermaschinist wurde. Über die Wendezeit hinaus verrichtete sie ihre Tätigkeit, „hat das Licht ausgeschaltet“, wie sie heute beschreibt, und am 05.11.1994 selbst die letzte Maschine BM 603 abgestellt hat. Hanni Hintersdorf erlebte diese zwangsweise Versetzung in den Vorruhestand als furchtbar. Den Verlust einer richtigen Aufgabe verkraftete sie nur schwer. In einem Kreativzirkel fand sie wieder Freude. Gartenarbeit und Aktivitäten im Gartenverein sowie das Training mit Dobermann-Hündin Olivia im Hundesportverein wurden zum Ersatz für berufliche Tätigkeit. Deren plötzlicher Herztod mit 3 ¼ Jahren war ein schwerer Schlag für Hanni Hintersdorf. Doch ein halbes Jahr später wurde ihr die Dobermannhündin Jenny zum Kauf angeboten. Dem Vorbesitzer war sie nicht scharf genug. Aber sie war das Beste, was Hanni Hintersdorf je begegnet ist – folgsam und lieb. Leider musste jedoch aus Altersgründen mit 13 ½ Jahren eingeschläfert werden – ein schmerzhafter Verlust! Die eigene Zwergpinscher-Zucht hat Hanni Hintersdorf aufgegeben. Sie liebte ihre Hunde so sehr, dass sie sich von den Welpen schwer trennen konnte und unter dieser Voraussetzung war weiterer Zuchtbetrieb nicht sinnvoll. Heute liebt sie es, Museen zu besuchen, reist dafür von Berlin bis Paris. Und einen Traum will sie sich noch erfüllen: Den Besuch der kulturhistorisch interessanten Stadt St. Petersburg.