MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dipl.-Ing. Detlev Heusig
Er verließ die Heimat gleich zweimal
Ingenieur für Kraft- und Arbeitsmaschinen (FH)
Alfred-Althus-Str. 12
01067 Dresden
Ausgezeichnet mit dem Vaterländischen Verdienstorden der DDR in Bronze
Detlev Heusig kann auf ein sinnerfülltes Leben zurückblicken, das geprägt ist von Höhen und Tiefen. Auf seinen Lebensweg ist er stolz.
Geboren wurde er 1935 im schlesischen Kunitz, Kreis Liegnitz. Er wuchs auf einem Bauernhof auf. Die Volksschule besuchte er nur bis zur 3. Klasse regelmäßig, lernte dann immer seltener. „Ab 1944 kamen viele Flüchtlinge hierher und fanden in der Schule zeitweise eine Bleibe“, weiß Detlev Heusig. „Anfang 1945 flüchteten wir vor dem immer näher kommenden Krieg in einem großen Treck aus dem Dorf in Richtung Westen, bis in den Raum Meißen. Von dort aus sahen wir den roten, brennenden Himmel über Dresden, das bekanntlich im Februar 1945 bombardiert wurde. Mitte Juni ging ich mit der Oma zurück nach Kunitz und war dort Kuhjunge. Im Frühjahr 1948 wurden wir endgültig aus unserer Heimat vertrieben. Auf Umwegen kamen wir in Görlitz an. Ich besuchte wieder die Schule. Mein Vater, der aus dem Krieg heimgekehrt war, arbeitete als Gärtner.“ Ab 1950 lernte Detlev Heusig im Görlitzer Feuerlöschgerätewerk Maschinenschlosser. Wegen seiner guten Leistungen beendete er die Lehre vorzeitig. Aber der junge Mann wollte mehr. Er studierte an der Fachhochschule in Meißen und wurde Diplomingenieur für Kraft- und Arbeitsmaschinen. Danach fing er im Pumpen- und Kompressorenwerk Erfurt an. „1958 wechselte ich zum Reifenwerk Riesa und arbeitete als Ingenieur für Investitionsplanung im Bereich Wärme- und Kraftwerkstechnik. Ab 1960 war ich bei der Kommunalen Wohnungsverwaltung in Dresden als Betriebsingenieur verantwortlich für die Wärmeversorgung“, erzählt Detlev Heusig, der danach Betriebsteilleiter und Fachdirektor wurde. Er tauschte mit Betrieben in der ganzen DDR Erfahrungen aus. Weil Dresden immer größer wurde, arbeitete er mit ausgesuchten Fachleuten zusammen. Seit 1990 kümmert sich die DREWAG um die städtische Wärmeversorgung. Detlev Heusig vermittelte sein Wissen und seine Erfahrungen weiter und ging mit 63 in Rente. Toleranz und Fleiß sind seine Stärken. Ein negatives Verhalten gegenüber Hilfe suchenden Menschen wie Flüchtlingen ärgert ihn.
Er war mehrmaliger Bezirksmeister im Volleyball, hält sich gern in der Natur auf, besucht Theater- und Operettenvorstellungen. Die Eheleute Helga und Detlev Heusig haben vier Töchter, sechs Enkel und vier Urenkel. Seit Jahren schwelgt das Paar beim Treff der „alten Säcke“ in Erinnerungen.