MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Werner Hesse
Erfolg hat drei Buchstaben: TUN!
Elektroobermeister
Hirschgrundstr. 67
08371 Glauchau
Werner Hesse wurde 1939 in Langenbielau (Schlesien) geboren, als eins von drei Kindern eines Essenbauers und einer Näherin. Sechs Jahre war er, als die Familie die Heimat verlassen musste. Sein Vater befand sich zu der Zeit in Kriegsgefangenschaft und kehrte nie zu den Seinen zurück. Nach Ende seiner Haftzeit ließ er sich nach Westdeutschland entlassen, später scheiden und gründete eine neue Familie. Werners Mutter musste alleine den Neuanfang mit ihm und seinen beiden Schwestern schaffen. Glauchau wurde zu ihrem neuen Wohnsitz. Hier besuchten die Kinder die Schule, die Werner 1954 nach der 8. Klasse beendete. Er absolvierte eine dreijährige Lehre zum Elektromonteur, womit sein Kindheitswunsch diesen Beruf einmal erlernen zu können in Erfüllung ging. Er beschreibt das letzte Schuljahr als Weg dahin, mit zielgerichtetem Lernen und fleißigem Engagement. Nach der Lehre wechselte er in den VEB Steinkohlenwerk Zwickau, war erst als Elektriker, später als Elektromeister tätig. Als Brigadeleiter trug er Verantwortung für siebzig Kollegen. Für außergewöhnliche Leistungen erhielt er den „Vaterländischen Verdienstorden der DDR“ verliehen. Werner Hesse erinnert sich an einen ganz besonderen Einsatz unter Tage ein Jahr danach: Zum Einsatz gerufen und ganz alleine im Schacht, spürte eine Feuerstelle auf (Hitzeherd hinter einer Verschalung hatte sich entzündet), schaffte es sie zu löschen und damit einen Großbrand zu verhindern. „Das war Minutensache,“ sagte er rückblickend zu einem Moment, in dem er eine schnelle und richtige Entscheidung treffen und sofort handeln musste. An sich, seine Gesundheit, sein Leben dachte er dabei nicht. Für diesen selbstlosen Einsatz erhielt er den „Karl-Marx-Orden“ – die höchste Auszeichnung der DDR. 27 Jahre war er in der Steinkohle tätig, dann wurde der Schacht geschlossen. „Ich war der letzte Bergarbeiter und fast ein halbes Jahr der einzige Beschäftigte. Die Förderung der Steinkohle die wir aus über 1000 Meter Tiefe holten war zu teuer geworden. Die importierte aus Übersee wesentlich billiger,“ berichtet er davon. Neue Herausforderung fand er im WBK (Wohnungsbaukombinat) Glauchau, arbeitete als Elektromeister weiter und wurde später zum Obermeister befördert. Auch hier wieder Hervorragendes leistend, führte ihn eine Auszeichnungsreis nach Sibirien an den Baikalsee und wurde zu einem unvergesslichen Erlebnis. Mit 60 Jahre trat Werner Hesse in den Ruhestand. Die politische Wende in der DDR begrüßte er, nutzte die neu gewonnene Reisefreiheit um endlich die vielen Verwandten in den alten Bundesländern zu besuchen, was ihm zuvor nie möglich war. Seit 1958 mit Erika (Textilfacharbeiterin) verheiratet und seit 1959 Vater von Sohn Dieter (Metallfacharbeiter, zwei Kinder, acht Enkel), ist er sehr stolz auf seine Familie. „Die Familie bringt so viele glückliche Momente mit sich, das lässt sich mit nichts anderem vergleichen. Ich bin froh meine Frau noch an der Seite zu haben. 80 Jahre bin ich indessen und fahre immer noch Auto. So kann ich überbrücken, dass es mit dem Laufen schwerer geworden ist,“ sagt Werner Hesse abschließend und man begreift: Zufriedenheit macht glücklich und Aufgeben ist keine Option für einen Mann wie ihn. „Überbrücken“ nennt er schlicht, was widerspiegelt wie er sein Leben stets bewältigt hat: Erkennen, annehmen, Lösungen suchen und finden und dann: TUN!