MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Ursula Herrmann

Wenn ein Traum platzt

Ursula Herrmann

Zugbegleiterin
Facharbeiterin für Feinmechanik i. R.

Zeunerstr. 62

01069 Dresden

Ursula Herrmann, 1929 in Stolpen bei Dresden geboren, wuchs in Eschdorf auf, weil der Vater dort eine Mühle gepachtet hatte. An die Volksschule kann sich die gebürtige Sächsin noch gut erinnern. „Mehrere Klassen waren in einem Raum. Viel lernten wir nicht, da sich der Lehrer ständig um die Schüler in anderen Klassenstufen kümmern musste. 1944 verließ ich die Schule mit der 8. Klasse. Bei einem Bauern absolvierte ich dann mein Pflichtjahr, das Hitler für Mädchen unter 25 einführte, um sie so auf die Rolle als Hausfrau und Mutter vorzubereiten und um fehlende Arbeitskräfte zu ersetzen. Die Bombardierung Dresdens erlebte ich hautnah mit. In Luftschutzkellern hofften wir, dass wir überleben. Schließlich verlängerte ich meine Arbeit auf dem Lande um ein Jahr, weil Dresden in Schutt und Asche lag“, berichtet Ursula Herrmann. Ihr Traum, Pelznäherin zu werden, platzte dadurch, aber Schneidern und Handarbeiten waren nun mal ihre Lieblingsbeschäftigungen. Stattdessen fing sie als Haushaltshilfe bei einer Familie an, die eine Autowerkstatt und ein Geschäft betrieb. In der Zeit bekam sie ein Kind. Da der Vater in Bayern war, musste die allein erziehende Mutter Geld verdienen. 1949 zog sie deshalb nach Dresden und bereitete in der Küche der Gaststätte „Annenhof“ Speisen zu. Nicht lange danach begann Ursula Herrmann bei der Deutschen Reichsbahn eine Ausbildung zur Schaffnerin. „Bei Güterzügen kontrollierte ich die Lichter und Bremsen, bei Personenzügen die Fahrkarten der Reisenden. So fuhr ich kreuz und quer durch die DDR und lernte dabei meinen späteren Ehemann Dieter kennen, der Heizer und Lokführer war“, schmunzelt Ursula Herrmann. Ab 1960 arbeitete sie auf einem Schlachthof in der Abteilung Feinkost, packte später Fleisch ab. Aber damit gab sie sich nicht zufrieden. Acht Jahre danach saß Ursula Herrmann bei PENTACON am Fließband und absolvierte in der Abendschule eine Ausbildung zur Facharbeiterin für Feinmechanik, reparierte Fotoapparate und Kleinbildkameras. 1990 ging sie letztendlich in den Ruhestand. „Als Rentnerin kenne ich keine Langeweile. Einmal ein der Woche treibe ich Sport und spiele Doppelkopf. Regelmäßig nehme ich an Busfahrten für Senioren teil. Am liebsten treffe ich mich mit meiner Familie. Mein Mann starb bereits 2010. Aber drei Töchter, ein Sohn, neun Enkel und acht Urenkel geben mir viel Lebensfreude“, erzählt Ursula Herrmann.
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