MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Hildegard Herrmann
Lebensphasen
Rentnerin
Kleinweitzschner Str. 12
04720 Großweitzschen
Als schönste Lebensphase empfand sie die Zeit, als die ganze Familie noch zu Hause vereint war. Sohn Jens, Vater einer Tochter, ist Kfz-Meister und lebt mit seiner Familie in Bayern. Sohn Knut wohnt zur Freude der Mutter unweit entfernt, ist Programmierer in der EDV und machte seine Mama mit zwei Jungen und zwei Mädchen gleich zur vierfachen Oma.
Geboren wurde Hildegard Herrmann am 19.07.1947 in Ziegra bei Waldheim. Aufgewachsen mit älterer Schwester und älterem Bruder, erlebten die Kinder von Landwirten trotz Nachkriegszeit liebevolle Eltern, die alles für ihren Nachwuchs taten. Groß geworden in engstem Kontakt mit der Natur, wurde ihr die Liebe zur Natur regelrecht ins Herz gepflanzt.
Ebenfalls einen Beruf in der Landwirtschaft und somit wiederum in natürlicher Umgebung zu ergreifen, war aufgrund eines angeborenen Hüftleidens unmöglich. Angewiesen auf sitzende Tätigkeit, ließ sie sich bei der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) Technitz zur Buchhalterin ausbilden, begab sich unmittelbar im Anschluss zum Studium der Finanzwirtschaft nach Weimar und erhielt ihren Abschluss als Ingenieur-Ökonom.
1970 kam Hildegard Herrmann berufsbedingt nach Großweitzschen. Zwei Jahre später heiratete sie ihren Siegfried, von Beruf Lehrer. Mit Erhalt einer Wohnung zog er 1973 zu seiner Frau.
20 Jahre arbeitete Hildegard Herrmann als Buchhalterin bei der LPG, avancierte zur Hauptbuchhalterin und erlebte mit ihren Kollegen und Kolleginnen eine abwechslungsreiche berufliche Zeit.
Das Jahr 1990 änderte alles. Nach der deutschen Vereinigung wurde die LPG abgewickelt. Zeitgleich verbaute eine zweite Hüftoperation ihre Zukunft. Sie wurde EU-Rentnerin. Doch damit nicht genug. Ehemann Siegfried ging trotz verschleppter Krankheit weiterhin in die Schule. Diese Extrembelastung führte 1994 letztendlich zum Schlaganfall. Pflegebedürftig und im Rollstuhl sitzend, pflegte Hildegard Herrmann 10 Jahre lang ihren Mann und staunt noch heute über die Kräfte, die ihr ohne Inanspruchnahme fremder Hilfe verliehen waren.
Danach war es an der Zeit, das Leben neu zu sortieren. Den Garten, in welchem sie mit ihrem geliebten Siegfried viele schöne Stunden verbrachte, behielt sie. Ansonsten füllen Kinder, Enkel, viele gute Freunde und Bekannte eine Lücke, die nicht mehr zu schließen ist, zumindest ein Stückweit und die Trauer kann nach und nach weichen.