MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Günter Hentke
„Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.“ (Römer 12,12 – Lutherbibel 2017)
Leipziger Str. 50
06780 Zörbig
Fon: 03456 / 25267
Für den 1940 geborenen Sohn eines Handwerkes stand von Kindesbeinen an fest auch einen handwerklichen Beruf zu ergreifen. Nach Beendigung der 8. Klasse absolvierte er deshalb eine zweijährige Maurerlehre (1954–1956), verließ dann die DDR und ging zu seinem Bruder in den Schwarzwald. Im Flüchtlingslager untergebracht und für 48 Pfennig in einer Seifenfabrik beschäftigt – das entsprach nicht seinem Traum von einer guten Zukunft. Nach weiterer Zeit der Arbeit auf dem Bau, erkannte er: „Hier gehörst du nicht hin, hier rackerst du dich zu Tode und kommst trotzdem zu nichts, den Gewinn machen andere....“ So entschied er sich nach Zörbig und in den Kreis der Familie zurückzukehren, tat das 1958 auch. Als junger Mensch bestrebt sich etwas zu schaffen, Geld zu verdienen, fing er bei der Dachdecker-Firma Wolf in Niemberg an. 23 Jahre blieb er im Betrieb und wechselte dann in die Stadtverwaltung als Betriebshandwerker (1986–1989). 1960 wurde er vom Amtsgericht Bitterfeld zu sechs Monaten Gefängnis wegen Staatsverleumdung der DDR verurteilt. Vor der Wende war ihm (vielleicht auch deshalb?) eine Gewerbeanmeldung nicht erlaubt worden, nun nutzte er die neuen Möglichkeiten für den Gang in die Selbstständigkeit. Als Altgeselle erhielt er die Gewerbeerlaubnis, fing Step bei Step an sein Unternehmen auszubauen. Unterstützung durch öffentliche Aufträge oder Fördermittel erhielt er nicht, bemängelt er rückschauend. Was deshalb mit kleinen Aufträgen bei Privatmenschen begann, mauserte sich so bald zu einem soliden Handwerksbetrieb der zeitweise sogar einen Angestellten beschäftigen konnte. Mit 70 Jahren ging Günter Hentke in den wohlverdienten Ruhestand. Heute lebt er in seinem Elternhaus, beschäftigt sich in Haus, Garten und Hof. Hühner, Kaninchen, Gänse, Schafe und eine kleine Vermietung sorgen zudem für abwechslungsreiche Tätigkeiten und bieten Zubrot zur eigenen Rente. Seine Frau Erika (Krankenschwester), mit der er seit 1963 verheiratet war, starb leider im Jahr 2015. Geblieben sind die Töchter Carola (geb. 1962, in Zörbig wohnhaft und angestellt in einer Lotto-Annahmestelle) und Sylke ( geb. 1965, in den alten Bundesländern lebend und im Gesundheitswesen tätig) zu denen ein gutes Verhältnis besteht und die für vier Enkel gesorgt haben. Gegenseitige Achtung und Hilfe verbindet alle und so bekommt er z. B. seine Wäsche gewaschen und einige seiner Gänse gehen als „Ostpaket“ zur Weihnachtszeit in die alten Bundesländer.... – es herrscht eben ein gut funktionierendes Miteinander. Das gab es auch im Elbingeröder Gemeinschaftsverband e. V, dessen Mitglied er 40 Jahre lang war und dessen Schließung 2017 (aus Geldmangel) er sehr bedauert. Jedes Jahr gönnt sich Günter Hentke eine Auslandsreise zur Erholung und für die Gesundheit, denn die zu haben betrachtet er als großes Glück und möchte sie erhalten. „Was will man mehr?“ sagt er schlicht und zufrieden mit seinem Leben und dem Geschaffenen.