MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Rudolf und Erika Henschel
Das Herz brennt für die Feuerwehr
Industriemeister für Maschinenbau, Feuerwehrtechniker
Finanzbuchhalterin
Am Junkersberg 3
09306 Rochlitz
1970 nahm Rudolf Henschel seinen freiwilligen Dienst in der Betriebsfeuerwehr Stern Radio Rochlitz auf. 1978 nach der Ausbildung am ABK-Borna (Ausbildungskommando) übernahm er als Wehrleiter die Wehr. 1991–2005 agierte er als Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Rochlitz. Lange Zeit sollte ihn die Feuerwehrtechnik auch hauptberuflich beschäftigen.
1944 in der Seidenpapierfabrik Göritzhain (Mittelsachsen), im idyllischen unteren Chemnitztal geboren, verlebte er eine, der Nachkriegszeit angepasste, behütete und abenteuerliche Kindheit. Der Betriebsschlosserei, in der sein Vater beschäftigt war, galt bald sein ganzes Interesse. Manchmal unter Anleitung, aber öfters auch heimlich übte er sich im Schmieden, Drehen, Schweißen und Gießen. Dem achtjährigem Schulbesuch folgte eine Lehre zum Betriebsschlosser in der Patentpapierfabrik Penig. Der junge Geselle blieb nach dem Abschluss im Lehrbetrieb, zog wegen seiner Erika nach Rochlitz, doch statt Familienglück kam erst einmal die Wehrpflicht. Zurück im Zivilleben begann er im VEB Stern Radio Rochlitz als Fräser im Werkzeugbau. Seit 1969 agierte er praktisch schon als Meister in der mechanischen Fertigung, holte aber den Mittelschulabschluss nach und konnte an der Fachhochschule 1972 seine Qualifizierung zum Industriemeister für allgemeinen Maschinenbau abschließen. 1987 gestattete man ihm eine Reise in die damalige BRD. Das Gesehene und Erlebte führte zu der Entscheidung, dass es so im beruflichen wie im politischen Leben nicht mehr weitergehen kann. Ab 1988/1989 machte er, als parteiloser Meister, aus seiner politischen Überzeugung kein Geheimnis mehr. Differenzen traten offen zu Tage und die beginnenden Leipziger Demos vertieften und verfestigten seine persönlichen Visionen. Als „unbequemer“ Kollege kam er seiner Entlassung zuvor und verließ 1990 den Betrieb. Parallel laufende Bemühungen in den Aufbau einer selbstständigen Existenz in drei unterschiedlichen Projekten fielen Neid, Missgunst und kommunalem Unvermögen zum Opfer. Er wurde Kreisatemschutzwart im Feuerwehrtechnischen Zentrum in Wechselburg, baute dann für einen Schweizer Unternehmer einen Sanitärgroßhandel auf. Die Lösungsfindungen mit hohem Improvisationsgeschick und Engagement fanden in der Firmenleitung unter dem Tenor der Selbstherrlichkeit und Arroganz wenig Anerkennung. Folglich bewarb er sich als Disponent in der Rettungsleitstelle Rochlitz, Zuständigkeitsbereich Feuerwehr und erhielt den Zuschlag. 1996 wurde er Feuerwehrtechniker (Betreuung aller Fahrzeuge und Einsatzgeräte) des Landkreises Mittweida, agierte dazu als Ausbilder des Feuerwehrnachwuchses für Maschinisten, Atemschutzträger und Motorkettenführer. Seit 2006 begann mit der Ruhephase des Altersübergangs sein nachberufliches Leben, weiterhin verwoben mit dem alten beruflichen Milieu und vielen handwerklichen Hobbys. An seiner Seite seit der Heirat 1966 war stets seine Frau Erika. Sie wurde 1946 in Rochlitz in einer musisch sehr begabten Familie geboren. In sieben schönen Kindheitsjahren hing der Himmel sprichwörtlich voller Geigen. Doch dann zerbrach das Familienglück. Die Mutter zog aus und sie blieb mit ihrem blinden Vater und dem drei Jahre älteren Bruder zurück. Die Haushaltskasse war schmal und an Kleidung gab es nur aufgetragenes. 1960 fanden beide Eltern wieder zusammen, um sich nach zwei Jahren endgültig zu trennen. Sie lernte zu diesem Zeitpunkt an der damaligen Erweiterten Oberschule in Rochlitz. Das Ereignis ließ die physisch und psychisch zusammenbrechen. Verständnisvolle Lehrkräfte sicherten ihr wenigstens die mittlere Reife. So blieb als einzige Berufsausbildung die einer Fachverkäuferin übrig. Nach Lehrabschluss wechselte sie in die Buchhaltung einer PGH (Produktionsgenossenschaft des Handwerks). Mit der Geburt des Sohnes Jens 1967 wechselte sie als Wirtschaftsleiterin in die Muldenschule Rochlitz, später als Sachbearbeiterin in den HO-Kreisbetrieb. Vor dort aus übernahm sie die Buchhaltung der Kreisstelle der Volkssolidarität, einer Organisation zur Betreuung älterer Menschen. Für diesen Arbeitsbereich machte sich der Abschluss als Finanzbuchhalter notwendig. Nach dem Ende der DDR wechselte sie in die Stadtkämmerei Rochlitz und war bis zum Ruhestand in der Steuerabteilung tätig.