MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Martin Henze
Eine Mühle und doch kein Müller
Kuhquellmühle
06774 Muldestausee OT Pouch
Fon: 03493 / 55511
Martin Henze wurde 1929 als Sohn eines Zimmermanns und einer Bäuerin geboren. Seine Kindheit beschreibt er als Abenteuer in Wald und Flur. Im Winter arbeitete der Vater im Holzeinschlag in der Gotsche und das Essenbringen wurde für den jungen Martin Henze zur Exkursion in die Natur. Im Forsthaus verbrachte er viele Stunden, kannte jeden Baum und die Plätze des Wildes in „seinem Revier“, der Gotsche. Der Wunsch Förster zu werden hatte darin seine Begründung, doch auch einen Metallberuf konnte er sich gut für seine Zukunft vorstellen. In der einräumigen Schule wurde in der 1.–8. Klasse das Wissen an die Kinder mittels eines einzigen Lehrers vermittelt (in den Kriegsjahren Lehrervertretungen wegen Einberufungen zum Militär) und als Martin Henze diese Ausbildung hinter sich hatte, lernte er bei einem privaten Handwerksmeister den Beruf Maschinenbauschlosser, arbeitete bis 1947 im Lehrbetrieb. Während der Zeit des Krieges hatte er Ausbilder, die in SA-Uniform Unterricht gaben, dann einberufen und durch Kriegsversehrte ersetzt wurden. Weihnachten / Neujahr 1944/45 kam seine Einberufung zur Wehrausbildung, Wehrertüchtigung. Einheitslager, Volkssturmlage und HJ-Heim folgte vom 17.04.1945–13.05.1945 die Gefangenschaft im Böhmer Wald und im Juni 1945 die Rückkehr in die Heimat. Mangelnde Wissensvermittlung kompensierte er selbst mit dem Besuch von Nachhilfeunterricht, den er mit Kartoffeln „bezahlte“. Die Entfernung zur Lehrstelle (15 km) und zur Schule (8 km) fuhr er täglich mit dem Rad. Nach der Lehre waren ihm die Reparatur von Fahrrädern, Schlössern, Maschinen der Bauern und Kupferarbeiten in der Spiritusbrennerei bald zu stupide. Er wollte „mal größere Technik in den Händen haben“, wie er erzählt und wechselte ins Ziehwerk Delitzsch. Seine solide fachliche Ausbildung brachte ihm schnell Anerkennung und Vertrauen ein. In der Schmiede war er beteiligt an der Herstellung der Maschinen für die Neubauern und man vertraute ihm die Lehrausbildung an. Durch die Heirat (1955) seiner Frau Ilse († 2013) und Ausbau von Wohnraum auf einem, im Familienbesitz befindlichen, Bauergrundstück, wurde der Arbeitsweg zu weit. Martin Henze wechselte in die Lehrausbildung des CKB Bitterfeld, zwischenzeitlich auch in die Bauabteilung als Schlosser und in den Kraftwerksbereich, zuständig für die Pflege und Instandsetzung Fahrzeug des Direktors und die Betriebsfahrräder. Delegiert zum Studium, erlangte er seinen Abschluss als BMSR-Ingenieur und wurde als solcher im CKB eingesetzt. Abgeworben ins Ziehwerk, arbeitete er als Produktionsleiter und als Investingenieur in der Projektierung und Realisierung eines 100-Millionen-Projektes und wieder in der Berufsausbildung. Erneuter Umzug und das Angebot des Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebes ermöglichten ihm als Technischer Leiter den dortigen Fuhrpark zu betreuen, was er bis zur Wende und den Übergang in Teilzeitarbeit und Ruhestand tat. Gesellschaftlich hatte sich Martin Henze als junger Mann nicht mehr engagieren wollen. Zu gut erinnerte er sich, dass ihm seine kindliche Zeit in der Hitlerjugend übel angekreidet worden war. Doch mit den Jahren engagierte er sich dann doch ehrenamtlich, war im Gemeindrat und in der Staatlichen Bauaufsicht aktiv. Heute genießt er sein Rentnerdasein und die Nähe von Tochter Jutta und Familie im eigenen Haus. Zusammen mit Sohn Jens, sorgten die Kinder dafür, dass heute drei Enkel und drei Urenkel die Familie bereichern. So bleibt Martin Henze nur ein Wunsch offen: Bis zum letzten Moment gesund bleiben und noch etwas schaffen zu können.