MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Manfred Herchl
„Die Zeit ist schwer, man muss den Hintern drehen“
Lindenallee 7
06780 Zörbig OT Salzfurtkapelle
Fon: 03494 / 503099
...beschreibt Manfred Herchl die neue Zeit nach der Wende. Aber sie gefällt ihm, denn in der DDR war er mit vielem nicht einverstanden. Er hat zwar nie aufbegehrt, aber ohne seine Familie hätte er wohl nicht oder nie versucht in den anderen Teil Deutschlands zu gelangen. So blieb er, hatte „nichts auszustehen“, wie er erzählt. 1953 geboren, schloss er 1967 die 8. Klasse ab, begann in der Filmfabrik Wolfen seine Ausbildung. 17 Jahre war er, als er mit dem Wechsel in die Farbenfabrik den Grundstein für seine berufliche Perspektive legte. Hier hatte er die Möglichkeit als Lkw-Fahrer zu arbeiten, später als Berufskraftfahrer im Kraftverkehr Bitterfeld diese Tätigkeit weiter auszubauen. 1974 drückte er zwei Jahre lang und zweimal wöchentlich die Schulbank, um den Abschluss „Berufskraftfahrer“ zu erlangen. Alle Typen Lkw hat er gefahren, der Beruf machte im Spaß. Aber dann passierte es: Ein Verkehrsunfall veränderte alles. Die Schwere seiner Verletzungen war erheblich. Niemand glaubte an eine Genesung – doch er kämpfte sich zurück ins Leben. Beruflich fahrtauglich war er nun nicht mehr, wurde ins Büro versetzt, war ab dann mit Frachtbriefabrechnungen, Stundenabrechnungen, Computererfassungen beschäftigt. So wollte er jedoch nicht die nächsten Arbeitsjahre verbringen. Er wollte sich entwickeln und die Perspektive seines bisherigen Arbeitgebers erschien ihm zudem auch nicht rosig. Also kündigte er 1992, versuchte über das Arbeitsamt eine Umschulung zum Speditionskaufmann wahrzunehmen. Bereits am ersten Tag merkte er dabei, hier nicht die Weichen für die eigene Zukunft stellen zu können. Also nahm er seine Geschicke selbst in die Hand, beriet sich mit der Berufsgenossenschaft und nutzte die Chance über das Berufsförderungswerk für Behinderte eine Ausbildung zum Speditionskaufmann zu erlangen. Erweiternd ließ er sich noch zum Zollsachbearbeiter schulen und erhielt damit eine Stelle am Flughafen Frankfurt / Main in Aussicht gestellt. Während er jedoch an seiner beruflichen Zukunft feilte, um allen Eventualitäten begegnen zu können, lief sein Antrag auf Berufsunfähigkeitsrente. Der Abschluss seiner Qualifikationen 1995 fiel zusammen mit der Bewilligung seiner BU-Rente. Das Leben nehmen, wie es ist, bezeichnet Manfred Herchl als seine Stärke. Und genau das hat er gemacht. Sich nicht unterkriegen lassen, gegen den Strom geschwommen! Dass er stolz ist auf das Erreichte, kann man gut nachvollziehen. Während Ehefrau Regina (geb. 1959 Servicekraft in einer Raststätte) noch arbeiten geht, verbringt er heute seine Zeit mit seinen Hobbys. Seit er 14 Jahre alt ist, hat er sich der Philatelie verschrieben, ist Mitglied im Philatelistenverein seit 2002. Aus der eigenen Kicker-Karriere ist umständehalber eine Fußball-Fan-Ära geworden. Und wenn er schon nicht mehr beruflich fahren darf, will er wenigstens privat besonderen Fahrspaß erleben – was ihm sein BMW 528 i erlaubt. Wo die Gesundheit nicht mehr selbstverständlich ist, ändert sich der Blickwinkel auf das Leben. Für ihn ist die Zeit mit der Familie, den Kindern Denny (geb. 1976) und Nicolé (geb. 1980), den beiden Enkeln und mit Freunden wichtig. Und wenn er die Welt verändern könnte, würde er für Frieden und Gesundheit aller Menschen sorgen!