MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Dr. jur. Gerhard Herder

Die internationalen Beziehungen (der DDR)

Gerhard Herder

Rentner
Ketschendorfer Weg 96A
12683 Berlin

Er betrachtet sein Leben als von Zufällen gesteuert. Vieles habe er nicht beeinflussen können. Und doch hatte er Gelegenheit, auf vieles Einfluss zu nehmen. In Alt-Bagnowen (Ostpreußen, heute Polen) kam er 1928 zur Welt. Der zweite Weltkrieg sah ihn noch als Marinehelfer bei der Flak. Nach Swinemünde versetzt, konnte er dort 1944 noch das Gymnasium mit dem Kriegsabitur abschließen. Mit 16 Jahren zur Verteidigung von Stralsund eingesetzt, fiel er in die Hände der Roten Armee. Viereinhalb Jahre Kriegsgefangenschaft in Karelien waren die Folge. Er erlernte die russische Sprache und beteiligte sich an der antifaschistischen Arbeit unter der Jugend, wurde an die Antifa-Zentralschule nach Moskau delegiert, ausgewählt, den sozialistischen Weg in (Ost)-Deutschland zu gestalten. Der Komsomol-Kongress 1949 in Moskau führte Erich Honecker, der damals die Freie Deutsche Jugend (FDJ) aufbaute, in die sowjetische Hauptstadt. Der Lagerkommandant stellte diesem den hoffnungsvollen Gerhard Herder vor, der Sprachen konnte. In der internationalen Abteilung der FDJ begann seine Laufbahn. 1951 führte ein Lehrgang für Außenpolitik zum Abschluss als Diplom-Gesellschaftswissenschaftler. Danach wurde er Leiter der Abteilung Internationale Beziehungen im Zentralrat der FDJ. Dann brauchte ihn die DDR in der Wissenschaft. Als Assistent begann er am Institut für Völkerrecht der Akademie für Staat und Recht in Potsdam. Nebenher legte er das Juristische Staatsexamen ab. 1961 promovierte er zum Dr. jur. Seine Beteiligung an den Verhandlungen zur Vorbereitung eines Friedensvertrages führte zur Aufmerksamkeit des Außenministers. Der veranlasste seinen Wechsel in das Ministerium als Leiter der Rechtsabteilung, später der Grundsatzabteilung. Mit der DDR-Vertretung im Libanon verband ihn sein erster Einsatz im Botschafterrang. 1973 wurde er für zehn Jahre Leiter der DDR-Delegation bei den Verhandlungen im Genfer Abrüstungsausschuss und Chef der ständigen Vertretung der DDR bei der UNO in Genf. 1983 wurde der inzwischen sehr erfahrene Diplomat Botschafter der DDR in den USA und Kanada. Mit dem Ende der DDR endete auch seine Verpflichtung, er wurde 1990 in den Ruhestand versetzt. Als Geschäftsführer einer Deutsch-Britischen Gesellschaft, als Autor und Dolmetscher erwarteten den seit 1956 verheirateten Vater eines Kindes auch danach noch interessante Aufgaben.
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