MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

Gesamte Liste anzeigen

Eva und Günter Henning

„Die Tränen lassen nichts gelingen. Wer schaffen will, muss fröhlich sein.“ (Theodor Fontane)

Eva und Günter Henning

Haushälterin
Bäcker, Konditor, Mechaniker
Johannes-R.-Becher-Str. 15
04703 Leisnig

Günter Henning, 1933 in Stettin geboren, kennt seine Familie kaum. Bei der Scheidung der Eltern wurde er dem Vater zugesprochen, doch der war Soldat, konnte sich nicht um den Sohn kümmern. Dieser wurde ins Heim gegeben. „Da bin auch nie wieder rausgekommen“, erzählt er. 1939–1947 besuchte er die Schule, unterbrochen von der Flucht aus der Heimat – über die Ostsee im Sammeltransport mit etwa 300 Kindern. Das Schiff „Wilhelm Gustloff“ (Kreuzfahrtschiff der nationalsozialistischen Organisation Kraft durch Freude, indessen Lazarett- und Flüchtlingsschiff) sollte die Kinder nach Deutschland bringen. Wegen Überfüllung konnte es den Kinder-Sammeltransport jedoch nicht mehr aufnehmen. Günter Henning kommen die Tränen bei dieser Erinnerung, denn von 10.000 Menschen an Bord konnten nur ca. 1000 gerettet werden, als das Schiff kurz darauf versenkt wurde. Sein Leben hätte an dieser Stelle beendet sein können....Mit einem Kohlenkahn ging es nach Zingst. Hier erlebte er das Kriegsende inmitten von 500 Kindern, spürte Hunger und Not und sah den Einmarsch der Russen. Von Zingst ging es nun per Zug nach Berlin. In Charlottenburg erfolgte die Unterbringung der Kinder. Mit den Amerikanern später weiter per Lkw in eine Sammelstelle nach Osnabrück verlegt, wurden die Kinder wieder auf einzelne Heime aufgeteilt. Günter Henning kam nach Bergneustadt ins Rheinland. Nach der Schule arbeitete er zwei Jahre bei einem Bauern, hatte sich jedoch vorgenommen Bäcker zu werden und konnte das auch realisieren. Über einen Suchdienst im Rundfunk versuchte er die Eltern wiederzufinden. Das gelang. Er zog zu seiner Mutter nach Neugersdorf, die jedoch den Ort bald darauf verließ wegen Schulden beim Finanzamt. Ihm hinterließ sie einen Zettel sie wisse nicht, wann sie wiederkäme. Sie kam nie mehr zurück. Erst 20 Jahre später hörte er wieder von ihr. Zu Verwandten nach Leisnig gezogen, arbeitete er hier im Beruf und später gesundheitsbedingt in einem Elektroladen als Verkäufer. Die Qualifikation dafür erlangte er durch eine zweite Facharbeiterausbildung (Fachverkäufer), wechselte jedoch wegen dem niedrigen Verdienst in eine Tätigkeit als Mechaniker. Eine weitere Umschulung dafür nahm er gerne in Kauf. 1990 ging er in die Rente. 1964 haben seine Frau Eva und er geheiratet. 1967 wurde ihre Tochter Angelika (Krankenschwester) geboren. Eva Henning – 1930 in Ostpreußen geboren – hat ähnliche Kindheitserinnerungen wie ihr Mann. Die Eltern betrieben eine Landwirtschaft. Sie erinnert sich an das Jahr 1944: „Die Rüben für die Kühe müssen raus“, sagte der Vater und arbeitete am Tag entsprechend. Nachts dann ein Anruf: „Ihr müsst alle sofort raus!“ So endete jäh die Zeit in der Heimat, die Möglichkeit der Versorgung der Familie und ihre eigene Kindheit. Das wenige Hab und Gut, das schnell gepackt und mitgenommen werden konnte fiel auf der Flucht der Plünderung durch die Russen zum Opfer. Entbehrungen und Leid folgten. Sie erinnert sich später in Deutschland angekommen in einer „Leutestube“ ((fremde Leute erhielten hier Essen) Kartoffeln und Quark erhalten zu haben und seither dieses Essen als etwas Besonderes zu lieben. In Mutzschen angekommen wurden die Flüchtlinge von Bauern abgeholt, untergebracht und zur Arbeit herangezogen. Der Arbeit auf dem Hof folgten bei ihr 10 Jahre Tätigkeit als Haushälterin einer Ärztin und nach der eigenen Familiengründung der Einsatz in der Zigarrenfabrik und später in einem Technischen Zeichenbüro. Mit 60 Jahren ging sie in Rente, verdiente sich aushilfsweise noch als Reinigungskraft etwas dazu. „Wir hatten gute und schlechte Zeiten“ beschreiben die Eheleute bescheiden die schwere Zeit ihrer Kindheit, die arbeitsreiche Zeit in der jungen Ehe und ihren jetzigen Lebensabend.
Gesamte Liste anzeigen

  • Der Verlag
  • Gesichter der Regionen
  • VWM-Info
  • Menschen und ihre Gesichter
  • Suche
  • Ihre Empfehlung
  • Unser Anliegen
  • Kontakt
  • Impressum
  • Datenschutz