MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Christel Hemmann
Im Bedarfsfall für andere Menschen da sein
08427 Fraureuth
Christel Hemmann wird 1933 in Mistroi geboren und lebt später in Ostpreußen, wo sie auch die Schule besucht. Der Vater ist Landwirt und ist auf dem örtlichen Gut für die Pferdezucht verantwortlich. Christel Hemmann erlebt als sechsjähriges Kind am 1. September 1939 den Beginn des Zweiten Weltkrieges, den Kanonendonner der nahen Front hält sie zunächst für ein Gewitter. Der Vater wird direkt von Hof eingezogen und fällt 1941. Der Großvater wird der Vormund der Familie. Die Mutter muss mit sieben Kindern die Heimat verlassen und nach Usedom ziehen. Doch für die Strapazen werden sie bald entschädigt. Auf Usedom beziehen sie ein schönes Haus, die haben einen eigenen Hof, zu dem auch Kühe und Scheine gehören, um die Kinder kümmert sich ein Kindermädchen.
Christel Hemmann besucht eine Volksschule, wo mehrere Klassen in einem Raum unterrichtet werden. Nach der Schule erlernt sie den Beruf einer Erzieherin, muss die Ausbildung aber ohne Abschluss beenden. Später arbeitet sie in Ahlbeck als Bibliothekarin und später bei Zinnowitz als Serviererin. Bei dieser Arbeit lernt sie ihren Mann kennen und folgt ihm 1955 in das sächsische Steinpleis, im selben Jahr ist Hochzeit. Aus der Ehe gehen fünf Kinder hervor, inzwischen kann sich Christel Hemmann über acht Enkelkinder freuen. Von ihrem Mann ist sie seit 1966 geschieden.
In Steinpleis arbeitet sie in der dortigen Hartpappe als Pappenmacherin. Im Herbst 1975 muss sich Christel Hemmann einer Hüftoperation unterziehen, ihre Arbeit kann sie nicht mehr weiter verrichten, ab Februar 1977 wird sie berentet. Bis 1980 kann sie sich zu ihrer Rente noch 400 Mark dazu verdienen.
In diesem Jahr verstirbt die Schwester. Christel Hemmann übernimmt die Betreuung von deren Zwillingen, die im selben Jahr eingeschult werden. Heute bekommt sie für diese Erziehungsleistung keine Rente, da die Kinder nicht von ihr geboren worden sind. In der DDR wird sie für dieses Engagement vom Ministerium für Volksbildung geehrt.
Christel Hemmann ist eine sehr sportbegeisterte Frau, die sich jedes Fußballspiel anschaut, sich begeistert sich auch für andere Sportarten. Seit 24 Jahren leidet sie an Diabetes und muss seit 22 Jahren spritzen. Bis heute legt sie Wert auf zwei Stunden Mittagsruhe, je nachdem wie die Beine „drauf sind“.
Christel Hemman fühlt sich am glücklichsten, wenn sie weiß, dass ihre ganze Familie bei guter Gesundheit ist. Sie lebt sehr gern in ihrer Heimatregion, hat sich aber auch auf Usedom sehr wohl gefühlt. Sie bedauert, dass von der früher vorhandenen Hilfsbereitschaft viel verloren gegangen ist. Die meiste Zeit verbringt sie mit dem Lösen von Rätselaufgaben, die Handarbeiten hat sie inzwischen aufgeben müssen. Christel Hemmann will vor allem noch einige geruhsame und schöne Jahre bei guter Gesundheit verleben und noch so richtig alt werden.