MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gottfried und Gisela Hennig
Sein eigener Herr geblieben
Landwirte
Am Anger 7
04758 Hof OT Haage
Bauer ist sein Beruf, aber eine kollektivierte Landwirtschaft war nicht die Sache von Gottfried Hennig. Also entschied er sich, als sein Vater Anfang der sechziger Jahre in die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) eintrat, eher: eintreten musste, für die Selbständigkeit. Immerhin hatte er einen eigenen Mähdrescher und die nichtkollektivierten Restflächen. Da war es schon kurios, dass man seinen Mähdrescher für einen Festumzug in Oschatz brauchte, diesen von Staatswegen aufpolierte, ihm dafür mit einem LPG-Mähdrescher samt Besatzung aushalf.
Im Haus im kleinen Örtchen Haage (Landkreis Nordsachsen), wo er 1937 geboren wurde, findet er bis heute sein Heim. Im bäuerlichen Haushalt wuchs er mit einer Schwester auf, besuchte acht Jahre die Schule im Nachbarort Reppen (1944–1952), dann drei Jahre die Landwirtschaftsschule im nahen Ort Hof. In der elterlichen Wirtschaft war er nun tätig, arbeitete später zehn Jahre für den VEB Minol (Benzin- und Altöltransporte). Zwischendurch verschönerte er sein Heim (u. a. mit einer Badewanne, die es im freien Handel gerade nicht gab, aber von in der Nachbarschaft stationierten sowjetischen Offizieren im Tausch gegen ein paar Scheinchen abgezweigt wurde). Dann wechselte er als Traktorist zur Zentralstelle für Sortenwesen, wo seine Frau Gisela (Heirat 1961) schon im Feldbau tätig war. Die Bewirtschaftung der eigenen privaten Fläche lief dabei stets weiter. Als die sozialistische Planwirtschaft 1989 zu Ende ging, konnte er als Wiedereinrichter die familiären Flächen aus der LPG lösen und wieder ganz und gar Bauer mit Ackerbau und Viehzucht sein. Die Mutterkuhherde war sein großer Stolz. Heute jedoch kümmert er sich nur noch um etwas mehr als einen Hektar, alle anderen Flächen sind verpachtet.
Gisela Hennig, geborene Thomas, kam 1938 in Rostig bei Großenhain zur Welt. In Großenhain besuchte sie die Schule, wurde aber von früh an, wie ihre anderen sieben Geschwister zur Arbeit mit Strenge erzogen. Später besuchte sie noch die Haushaltsschule in Riesa. Mit der Familiengründung wechselte sie nach Haage, zwei Töchter (Karin 1962, Margit 1965) wurden geboren. Inzwischen freut sich das Ehepaar an vier Enkelkindern.