MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Hans-Peter Heinrich
„Mit Taten ist ein Leben gefüllt, nicht mit untätigen Jahren. (Ovid)
Baufacharbeiter
Möbelmonteur
Auf der goldenen Höhe 21 b
04736 Waldheim
Fon: 037327 / 649942
Mit einer jüngeren Schwester wuchs der 1954 geborene Hans-Peter Heinrich auf. Seine Mutter arbeitete als Wirtschaftsleiterin, sein Vater (Polizist) war im Strafvollzug tätig. Die Familie wohnte in einer Straße, deren Häuser und Wohnungen speziell den Mitarbeitern des Strafvollzuges zur Verfügung gestellt wurden. Das bedeutete viele junge Menschen und dementsprechend eine Vielzahl von Kindern und Spielgefährten für Hans-Peter und seine Schwester. Als die Eltern einen Fernseher anschafften, war es das erste vorhandene Gerät in der ganzen Straße. Nachmittags versammelten sich nun alle umliegend wohnenden Kinder in der guten Stube der Heinrichs und genossen das neue Vergnügen. Doch auch die vorhandenen Wiesen waren Tummelplatz. Nach dem Sensen wurden Grashüpfer und Schmetterlinge gefangen, zuvor Kamille und Huflattich für die Hausapotheke gesammelt. Schöne Erinnerungen, an die Hans-Peter Heinrich gerne denkt. 1960–1970 besuchte er die Schule, wollte eigentlich weiterführend das Abitur machen. Doch dann beendete er doch nach der 10. Klasse die schulische Ausbildung, weil der Klassenlehrer ihn mobbte und er das nicht länger hinnehmen wollte. Er bewarb sich für eine Lehre als Baufacharbeiter, lernte – untergebracht im Internat – im Bau- und Montagekombinat Leipzig diesen Beruf. Auf kleinen Baustellen und bei der Sanierung alter Wohnungen eingesetzt, konnte er viele praktische Erfahrungen sammeln bis er den Abschluss als Baufacharbeiter in den Händen hielt. Statt zum Grundwehrdienst verpflichtete er sich für eine dreijährige Unteroffizierslaufbahn. Das Angebot danach weiter beim Zoll tätig zu werden lehnte er ab. Er wollte wieder in seinen Beruf zurück und trat eine Arbeitsstelle als Betonbauer an einer Taktstraße eines Berliner Baubetriebs an. Wegen der Erkrankung seiner Oma wechselte er 1976 in den Wohnungsbau Meißen. Doch die Arbeit gefiel ihm nicht mehr, weshalb er sich zu einer artfremden Tätigkeit entschloss. Körperlich schwer war die Arbeit in der Einkaufs- und Liefergenossenschaft auch, wie z. B. das Schleppen und Stapeln von 75 kg-Säcken. Am Abend ging es völlig erschöpft zu einem Feierabendbier und nach Hause. Auch die spätere Arbeit im Möbelfachhandel und nach der Wende und kurzer Arbeitslosigkeit für „Polsterwelt“ Meißen war wieder eine körperlich anstrengende. Zeit und Kraft für eine Familiengründung blieb da nicht. 1994 wurde Hans-Peter Heinrich entlassen. Seine Bewerbung bei „Möbel-Höffner“ führte ihn nach Güntersdorf, Unterbringung im Arbeiterwohnheim und zu einem Lehrgang zur Befähigung für Möbelaufbau. Frisch geschult und mit zugewiesenem, eigenem Fahrzeug wurde er in Dresden eingesetzt. Stress pur, wie er heute berichtet: Das Fahrzeug voll beladen, obere Etagen ohne Fahrstuhl in der Zeitberechnung nicht berücksichtigt, am späten Abend den Papierkram erledigen und bei allem trotzdem die Liefertermine einhalten war ein schier unmöglicher Spagat. Bezahlung von Überstunden? Fehlanzeige! „Das war eine Knochenarbeit“ sagt Hans-Peter Heinrich rückblickend. Das „Henwi-Kaufhaus“ in Döbeln wurde zu seiner letzten Arbeitsstelle. Mit 63 Jahren trat er in den Ruhestand. Nun kann er sich auf sein Hobby Archäologie, Geschichte und Ägyptologie konzentrieren. Viele Bücher hat er dazu angesammelt, noch etliche von ihnen zu lesen. Nach seinem schweren Arbeitsleben genießt er es stressfrei und ruhig seine Zeit gestalten zu können. Autofahren entspannt ihn dabei sehr. Er ist seiner Mutter dankbar, dass sie sich immer für ihn und seine Schwester eingesetzt hat, für beide stets liebevoll da war. Heute kann er etwas davon zurückgeben. Er kümmert sich nun seinerseits um sie und das gemeinsame Kaffeetrinken am Wochenende in Peggys Gastwirtschaft ist für Mutter und Sohn dabei zur lieb gewonnenen Tradition geworden.