MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Günther Heinitz
Stolz darauf, sich im Leben nie verbogen zu haben
Reifenmacher und Meister der Landwirtschaft
Am langen Rain 16
04758 Oschatz
Fon: 03435 / 921674
Günther Heinitz wird 1936 im Kreis Meißen geboren, er wächst mit dem jüngeren Bruder und einem brutalen Stiefvater auf. Während des Krieges erlebt er sehr viel Angst, in der Schule erklärt ihm ein Lehrer: „Es ist schade um die Zeit, die du hier warst, aus dir wird sowieso nichts“. Nach dem Ende der Kampfhandlungen ziehen zunächst die Amerikaner ein, die den Menschen Zigaretten und Schokolade anbieten. Als die sowjetischen Truppen folgen, ziehen sich die Mädchen wie Jungen an, die Berichte über Vergewaltigungen haben auch die Region erreicht. Die Mutter kocht in den folgenden Wochen für acht sowjetische Offiziere, damit ist die Lebensmittelversorgung der Familie gesichert. Nach dem Abschluss der Schule arbeitet Günther Heinitz zunächst für ein Jahr bei einem Bierhändler und bei einigen Handwerksbetrieben und ist in dieser Zeit oft arbeitslos. Im Jahr 1952 kann er eine Lehre im VEB Reifenwerk Riesa beginnen, hier findet er Lust am Lernen und engagiert sich in der FDJ des Betriebes. Eines Tages hält er ein Referat, der anwesende Minister fordert ihn auf, doch mal zu erzählen, wie es wirklich ist. Am 17. Juni muss er erleben, wie die Besatzung eines sowjetischen Panzers im Stahlwerk Riesa von erbosten Arbeitern gelyncht wird. Nach der Lehre, ab 1955 dient er in einer Nachrichteneinheit der Kasernierten Volkspolizei, später in den Reihen der NVA. In dieser Zeit darf er DDR-Präsident Wilhelm Pieck am 3. Januar 1956 zum 80. Geburtstag gratulieren. Günther Heinitz verlässt im Oktober 1960 die Armee, geht nach Oschatz zurück und ist ab 1960–1964 vier Jahre Bürgermeister von Clanzschwitz, arbeitet anschließend bei der Deutschen Post. In dieser Zeit legt er die Prüfungen als Verwaltungsangestellter und als Meister für die Landwirtschaft ab. Ab 1966 setzt man ihn als Korrespondent für Zeitungen, wie LVZ, ND, Neue Deutsche Bauernzeitung und Presseorgane der Blockparteien bei der Bezirksdirektion Leipzig ein. In den folgenden zwei Jahren soll er Menschen für das „Neue Deutschland“ werben, ein Pfarrer erklärt ihm, dass er dies schon liest, ein anderer fragt ihn, was er damit soll. Außerdem schreibt er für eine Reihe von Zeitungen. Günther Heinitz will kein Wendehals sein und entscheidet sich 1990 für das Altersübergangsgeld.
Seine Frau Marianne lernt Günther Heinitz 1972 während einer Zugfahrt (Dresden–Oschatz) zur Kunstausstellung der DDR kennen. Sie heiraten 1973 und sind bis heute sehr glücklich miteinander. Marianne Heinitz ist seit 1946 taub und erblindete zudem nach einem Unfall im Jahr 2013. Zur Familie gehört auch die Adoptivtochter Andrea, die 1972 geboren worden ist. Sie ist heute Hausdame bei einer Hotelkette im Westen, Ehefrau und Mutter von zwei Kindern. Günther Heinitz lebt sehr gern in Oschatz, das Bild der Stadt ist freundlicher geworden, die Menschen aber unausstehlicher. Er hat den heutigen russischen Präsidenten Wladimir Putin in Dresden selbst kennengelernt und ärgert sich wegen der Lügen über ihn. Gerne würde er die vielen dummen Menschen mit ihren falschen Darstellungen in die Schranken weisen können, denn er selbst kennt Russland und seine Menschen sehr gut durch sein Studium an der Funkuniversität Radio Moskau 1983–1989, das er damals mit dem Prädikat „Sehr gut“ abgeschlossen hat.