MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Heinz Heil
Ein ehrliches, arbeitsames, schweres und doch gelungenes Leben
Schlosser
Niederwinkler Hauptstr. 8
08396 Waldenburg
Heinz Heil lebt in dem Haus das sein Urgroßvater einst erbaute und in dem er 1937 als Sohn einer Industriearbeiterin und eines Schlossers geboren wurde. Er erinnert sich an eine karge und trotzdem schöne Kindheit. „Wir hatten nicht viel, auch nicht viel Spielzeug. Ich hatte eine Eisenbahn zum aufziehen, einen Laster aus Holz und Bausteine aus gepresstem Sandstein. Meist aber haben wir Dorfkinder alle gemeinsam draußen gespielt. Einkaufen konnte man in dem Kolonialwarenladen mit Fleischerei, im Konsum und im Bäcker des Ortes. Es gab eine Gaststätte, einen Fahrradladen.....heute gibt es nichts mehr davon. Gelernt haben wir in einer Schule mit mehrklassigem Unterricht,“ berichtet er aus dieser Zeit. 1943–1951 durchlief er seine schulische Ausbildung, trat danach in die Fußstapfen seines Vaters und erlernte zweieinhalb Jahre den Schlosser-Beruf im VEB Spinnstoffwerk Glauchau. Der junge Facharbeiter wechselte erst in einen privaten Handwerksbetrieb, drei Jahre später wegen eines besseren Verdienstes in die Horchwerke Zwickau. Statt um die 300 Mark erhielt er nun zwar mit der Zeit 500–600 Mark, doch auch das war für die Familie die er gründete viel zu wenig. „Wir haben 1959 geheiratet. Meine Frau Rita war technische Zeichnerin und Sachbearbeiterin. Sie verdiente auch nicht so viel. Wir haben immer von der Hand in den Mund gelebt. Mit drei Kindern (Roland, geb. 1962, Koch / Mathias, geb. 1967, Fräser, Zerspaner / Torsten, geb. 1971, Qualitätskontrolleur) mussten immerhin fünf Personen von meinem und dem Einkommen meiner Frau leben. Und trotzdem war es eine schöne Zeit,“ sagt Heinz Heil und begründet seine Entscheidung zum erneuten Betriebswechsel mit der Notwendigkeit das Auskommen zu sichern und zu verbessern. Deshalb nahm er in Folge 16 Jahre lang Trennung von der Familie, Fahraufwand und Arbeiterunterkunft in Kauf und arbeitete auf Montage für den VEB Aufzugsbau Mühlau. „Eine schöne aber auch schwere Zeit. Ich bin durch die ganze Republik gereist, musste viel dazulernen (z. B. Elektrik), arbeitete z. B. am Fernsehturm Berlin und am Hotel Stadt Berlin mit,“ erzählt Heinz Heil von hinterlassenen Spuren in seinem Arbeitsleben. Nachdem er das Haus seiner Eltern übernommen hatte, wurde ihm die ständige Abwesenheit vom Wohnort zu viel. 1978 nahm er deshalb die Arbeit im VEB Getriebewerk Penig auf und blieb hier bis 1992 in der Getriebemontage tätig. Dann trat er über den Vorruhe- (mit 55 Jahren) in den Ruhestand (mit 60 Jahren). Heinz Heil ist stolz auf sein Leben, auf seine gute Ehe und seine Familie, zu der indessen auch sieben Enkel und ein Urenkel gehören. Offenheit und Ehrlichkeit sind ihm wichtig, Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit ärgern ihn. „Ich hatte kein Geld und meine Frau auch nicht. Wir waren beide arm. Meine Frau entstammt einer Flüchtlingsfamilie die außer Hab und Gut, die Heimat und den Vater durch den Krieg verlor. Wir hatten es nicht leicht. Durch unsere Kinder war ich oft Alleinverdiener,“ berichtet er von schwierigen Zeiten, die das Paar fest zusammengeschweißt haben. „Ich habe die Richtige geheiratet“ schließt er, sichtlich gerührt, diese Erinnerungen. Erst nach der Wende konnte er sich die Fahrerlaubnis und ein Auto leisten. Daher kommt wohl auch, dass das Fahren mit seinem Toyota Corolla nun seine Lieblingsbeschäftigung ist. Sein Wunsch: Im eigenen Haus bleiben zu können so lange es geht.