MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gisela und Wolfgang Heineck
„Es ist ein ungeheures Glück, wenn man fähig ist, sich zu freuen.“ (Deutsches Sprichwort)
Stepperin
Schlosser, Gärtner
Wilhelm-Ostwald-Str. 23
04668 Grimma OT Großbothen
Wolfgang Heineck wurde als Einzelkind seiner Eltern 1942 in eine schwere Zeit hineingeboren. Der Vater überlebte den Krieg nicht. Sehr klein und den Ernst noch nicht begreifend, haben sich doch in sein Gedächtnis brennende Häuser und Aufenthalte im Luftschutzkeller eingebrannt. Die Kindheitszeit war von Entbehrungen geprägt. Zu Weinachten freute er sich über Vitalade (Ersatzschokolade in der DDR, weil die für die Produktion von Schokolade benötigten Kakaobohnen fehlten) statt Schokolade. Es gab nicht viel, alles war ärmlich und einfach. Eine Zeit lebte er bei den Großeltern in Delitzsch. Die hatten etwas Viehzeug was sowohl für die Versorgung gut war, als auch dem tierlieben Jungen etwas Wärme und Beschäftigung bot. Von 1948–1956 besuchter der Wolfgang die Schule. Er wollte gerne in die Fußstapfen des Vaters treten und Schlosser werden. Das gelang mit der Lehre im VEB VTA (Schwermaschinenbau Verlade- und Transportanalagen Leipzig) zum Instandhaltungsmechaniker (Reparaturschlosser). Im Schichtsystem arbeitete er 17 Jahre lang im Ausbildungsbetrieb. Tätigkeiten in einem Buchbindereimaschinenwerk, im Gießereimaschinenbau, auf der Pferderennbahn Leipzig, einer Schuhfabrik in der Pharmaindustrie, in einer Gärtnerei und anderen Einrichtungen folgten. Er kann sich kaum noch an alle Stationen erinnern, so viele waren es. Immer ein sehr sporadischer Mensch traf er manchmal oft Entscheidungen aus dem Bauch heraus, die sich später dann gegen ihn richteten. Manchmal versäumte er deshalb berufliches Weiterkommen und Lohnentwicklung dadurch. Doch manchmal kam auch Gutes bei allem heraus. Die Arbeit auf der Pferderennbahn verhalf ihm z. B. zu privatem Glück. Er lernte seine Frau vierte Gisela kennen, heiratete sie 2005. Gisela Heineck hatte die Pferderennbahn-Leidenschaft von ihrem Vater übernommen, war mit ihren beiden Kindern oft als Zuschauer unterwegs. So trafen die beiden aufeinander. 1946 erblickte Gisela das Licht der Welt. Nach der 10 jährigen Schulzeit wäre sie gerne Kindergärtnerin geworden, doch daraus wurde nichts. In der Nachkriegszeit hatte sie Igelit-Schuhe (Weichplaste) tragen müssen und sich dabei Gelenkrheuma zugezogen. Das und ein vorhandener Herzfehler führten zur gesundheitlichen Nichteignung für den Kindergärtnerin-Beruf. Ihr Traum zerbrach. Sie lernte den Beruf Stepperin in einer Täschnerei um einen Facharbeiter-Abschluss zu erlangen. Doch der Gedanke, noch irgendwie in einem Kindergarten arbeiten zu können, ließ sie einfach nicht los. Sie wollte es einfach zu sehr. Es gelang ihr schließlich auch: Als Küchenhelferin und später „als Mädchen für alles“ nahm sie die Arbeit in einem Kindergarten auf. Bis zu Wende war sie so tätig, dann wurde sie arbeitslos und erhielt in Folge – wie auch Ehemann Wolfgang nach dem Wandel – nur noch befristete ABM-Stellen. Heute freuen sich beide über den Ruhestand, „machen das Beste aus der Zeit“, wie sie sagen. In ihrem kleinen Häuschen und dem dazugehörigen Garten fühlen sie sich wohl und haben ihre Beschäftigung. Die Briefmarkensammel-Leidenschaft (Philatelie-Club Markkleeberg e. V.) belebt die Freizeit von Wolfgang Heineck und Gisela Heineck liest und rätselt gerne. Der größte Wunsch der beiden ist Gesundheit und ein friedliches Miteinander der Menschen. Das Zunehmen von Terrorismus, Kriminalität und Gewalt beunruhigt sie nämlich zunehmend.