MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Helga Heidenreich
Für andere Menschen, junge wie alte, im Einsatz
Krippenerzieherin
Ochsenfurter Str. 8
04680 Colditz
Als Helga Trocha wurde sie 1936 in Colditz geboren. Die mittelsächsische Stadt an der Zwickauer Mulde blieb ihr Heimat bis heute. Der Vater war die Güte selber, arbeitete im Betriebsschutz. Die Mutter musste sich um den Nachwuchs kümmern, denn zum Haushalt zählten sechs Kinder aus der ersten Ehe des Mannes und die eigenen drei, zu denen die junge Helga gehörte. Von den älteren Halbgeschwistern fielen zwei der Jungs im 2. Weltkrieg, sonst merkten die Jüngeren wenig vom Krieg. Das Renaissanceschloss dominiert das Stadtbild, für die Kinder war das darin befindliche Gefangenenlager für alliierte Offiziere in jenen Jahren des 2. Weltkrieges weit weg. Die junge Helga begann 1942 mit dem Schulbesuch, schloss 1951 mit der 8. Klasse ab. Zwar konnte sie gut zeichnen, eine Ausbildung als Porzellanmalerin lag durchaus nahe, doch schreckte sie die Atmosphäre eines Werkes. Aber das Schloss war inzwischen zum Krankenhaus für die Umgebung umgewandelt worden, so konnte sie dort eine zweijährige Lehre als Wirtschaftspflegerin aufnehmen, eine abwechslungsreiche Ausbildung zwischen Küche, Krankenstation, Gärtnerei, Lager, Wäschekammer. Durch die Kooperation mit dem Krankenhaus im nahen Zschadraß schloss sie ihre Lehre im dortigen Internat ab. Schon kurze Zeit später erhielt sie die Möglichkeit, sich an der Medizinischen Fachschule in Aue zur Säuglingsschwester ausbilden zu lassen. Damit hatte sie den richtigen Beruf für ihr Leben gefunden. Nach einem praktischen Jahr in Burgstädt kam sie nach Colditz zurück und begann 1960 in der Betriebskinderkrippe auf dem Schloss ihrer Heimatstadt. In fortgeschrittenen Jahren erwarb sie durch eine Weiterbildung in Grimma noch den Abschluss als Erzieherin. So qualifiziert, sollte sie dreißig Jahre für die Jüngsten tätig sein. Als nach 1990 weniger Kinder geboren wurden, Umstrukturierungen anstanden, wechselte sie von der Kinderkrippe ins Seniorenpflegeheim, ebenfalls auf dem Schloss untergebracht, zumal ihr Diplom von der Medizinischen Fachschule auch dafür hoch anerkannt wurde. Bis zum Renteneintritt 1996 nahm sie noch fünf Jahre diese verantwortungsvolle Tätigkeit engagiert wahr. Seit der Heirat 1958 stand ihr Herbert Heidenreich (Beruf: Schmied) als Partner im Leben und Alltag zur Seite. Aufopferungsvoll betreute sie nun ihn, zum Pflegefall geworden, in seinen letzten Lebensjahren, ehe er im Jahr 2009 für immer von ihr ging. Die Töchter Sylvia (1958 geboren) und Ines (1964) erfreuten das Paar, vier Enkelkinder erweiterten den Kreis, heute freut sich Helga Heidenreich an den ersten Urenkeln. Stricken und andere Arbeiten gehen ihr noch immer flott von der Hand.