MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Wolf-Eckhardt Heindorf
Der Generalist
Müllerring 83
04158 Leipzig
Fon: 0341 / 4611710
Als der 1938 geborene Wolf-Eckhardt Heindorf 1952 die 8. Klasse beendete, waren seine beruflichen Vorstellungen, zunächst auf das Abitur gerichtet. Der erforderliche Besuch der Oberschule wurde ihm aber auf Grund der sozialen Herkunft (Vater Berufsoffizier, gefallen, Mutter Angestellte) verweigert. Der Klassenlehrer kam ihm zur Hilfe. Er informierte über eine neu geschaffene Schulform mit einem Weiterlernen bis zur 10. Klasse und dass diese vor allem jungen Menschen Voraussetzung bieten sollte, sich als Pädagoge ausbilden zu lassen und als Neulehrer zu bewerben, denn Krieg und Rauswurf von Nazitreuen Lehrern hatte einen akuten Lehrermangel bewirkt. Wolf-Eckhardt Heindorf ergriff die Chance und hatte Glück, denn als das 10-Klassen-Schulsystem bald darauf wieder abgeschafft wurde, konnte er dadurch auf die Oberschule wechseln. Die Noten waren gut und trotzdem musste er das Abitur abbrechen, weil die veränderten häuslichen Bedingungen es erforderten, dass er Geld verdiente. Er absolvierte eine Färber-Lehre bis 1956, arbeitete im Anschluss im 2-Schichtsystem als Facharbeiter und kurz darauf bereits als Hilfsmeister. 1957–1960 studierte er an der Ingenieurschule für Textilindustrie Fachrichtung Textilveredlung. Im gleichen Jahr heiratete er seine 1. Frau Brunhild, die 1986 verstarb und mit der er die gemeinsamen Söhne Wolf-Christian (Malermeister, Restaurator) und Jürgen (Zimmermann) hat, die indessen ihrerseits für drei Enkelsöhne sorgten. Beruflich stellte er sich nach seinem Absolventenjahr als Textilingenieur weiteren Herausforderungen in der Textilindustrie. Er besuchte die Staatliche Lehrmeisterschule und durchlief eine spezielle Ausbildung für Industriemeister, die er als Ing.-Pädagoge abschloss. Eingesetzt in der Lehrausbildung verlief die Entwicklung rasant, vom Beginn mit 25 Lehrlingen bis hin zu 300 Lehrlingen und 25 Beschäftigten, die er als Bereichsleiter Bildung anleitete, mit eigenes dafür zugewiesenen Haushalt, denn Berufsausbildung wurde vom Staat finanziert. 1969, nach betrieblichen Strukturänderungen und dem eigenen Wunsch auf neue Herausforderung nachgebend, begleitete Wolf-Eckhardt Heindorf den Ausbau des ZMB (Zentrales Muster-Büro Spinnereien des Industriezweiges Wolle und Seide) und absolvierte in dieser Zeit ein weiteres Fernstudium an der TU Dresden zum Dipl.-Ing.. Ab 1973 wurde er Abteilungsleiter in der neu eröffneten Färberei in den Buntgarnwerken Leipzig, Nonnenstraße, mit der Perspektive stellvertretender Betriebsdirektor zu werden. Zunächst zum Direktor für Produktion und Beschaffung bestellt, wurde ihm später zusätzlich die Verantwortung für die Materialwirtschaft auferlegt und schließlich noch die für den Absatz. So umfassend praktisch erfahren, wurde er dann zum Betriebesleiter der Leipziger Wollkämmerei berufen, was ihm anfangs widerstrebte (weil sie als Vorstufenbetrieb nichts mehr mit Farbgebung zu tun hatte), er es heute aber als „das Beste, was ihm passieren konnte“ beschreibt. Mit zuletzt 1,4 Milliarden Mark Warenumsatz, leitete er damit einen der bedeutenden Leipziger Betriebe. Nach der Wende wurde aus dem VEB Leipziger Wollkämmerei wieder die Leipziger Wollkämmerei AG (wie seit deren Gründung am 02.03.1872) mit Wolf-Eckhardt Heindorf Vorstandsvorsitzender. Die weltweite Strukturkrise, die bisher an den Mauern der DDR halt gemacht hatte, erreichte nun die Textil- und Bekleidungsindustrie der DDR und damit den Betrieb. Kunden brachen weg, Aufträge blieben aus, trotzdem wurde die Existenz des Unternehmens gesichert. Ein französischer Konzern kaufte 1993 schließlich den Bertieb. Die fehlende Zukunft schließlich erkennend, verließ Wolf-Eckhardt Heindorf 1996 die Firma, war bis 2003 bei einem privaten Bildungsträger im Umweltbereich tätig und ging dann in den Ruhestand. 1992 von den Unternehmern der Branche zum Vorstandsvorsitzenden des Verbandes der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie e. V. gewählt, brachte er hier bis 2011 sein Wissen und seine Erfahrungen ein, ist heute noch Ehrenpräsident. Er lebt mit seiner jetzigen Frau Christine zusammen und freut sich, über diese zweite Beziehung nun doch noch EnkelTÖCHTER bekommen zu haben.