MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Rolf Heinicke
Ein Zehntel so alt wie die Stadt
Kerammaler
Leipziger Str. 25
04680 Colditz
Fon: 034381 / 41141
2015 wird die sächsische Stadt Colditz ihre 750-Jahr-Feier bestreiten, im selben Jahr hofft Rolf Heinke seinen 75. Geburtstag zu begehen, zwei Ereignisse, die nicht nur durch Zahlenspielereien verbunden sind. Denn Rolf Heinke hat den Auftrag, mit seinen Malkünsten zu den Stadtfeierlichkeiten schon in der Vorbereitung kräftig beizutragen und malt seitdem mit Können, Vorfreude und Sinn für geschichtliche Hintergründe. Zwar wurde er 1940 in Golzern bei Grimma geboren, doch bereits 1941 zog die verwaiste Familie, der Vater blieb im Krieg, nach Colditz, das für Rolf Heinke trotz mancher Zwischenstation Heimat blieb und wieder wurde. 1954 schloss er die Schule mit der 8. Klasse ab. Im Steingutwerk, der späteren Porzellanfabrik lernte er Kerammaler, verzierte, dekorierte, glasierte jene Tonwaren, die dann im Brennofen ihre Haltbarkeit erhielten. Im Wachregiment Berlin diente er 1958–1961 der DDR-Armee, danach ließ er sich für den Kraftwerksbau im Lausitzer Revier, bei Lübbenau und Lippendorf, anwerben, schloss zusätzlich eine Ausbildung zum Kraftwerksmaschinisten ab. Hier lernte er 1969 seine Frau kennen, die als Elektrikerin tätig war. Mit der Heirat 1971 ging es zurück nach Colditz und die Porzellanfabrik forderte wieder sein malerisches Talent. Dies war leider nicht mehr gefragt, als mit der Privatisierung nach dem Ende der DDR Aufträge ausblieben. 1986 war die Familie in jenes Haus gezogen, das noch heute Heimstatt ist, in Eigenregie saniert. Rolf Heinke fand von der Wende bis zur Rente 2005 bei einer Colditzer Baufirma neue Aufgaben, bemalte nun nicht mehr Geschirr, sondern ganze Wände. Als sich in Vorbereitung des Festumzuges seiner erinnert wurde, schon bei der 700-Jahr-Feier war er einst dabei, gab es von ihm nur ein klares Ja. So entstehen in seiner zur Werkstatt umfunktionierten Garage Tafeln und Bilder zur Geschichte, die die Colditzer und deren Gäste nächstes Jahr erst bewundern dürfen.
Auch außerhalb solcher Anlässe engagiert sich der Vater eines Sohnes und einer Tochter für seine Stadt. Dem Männerchor Colditz gehörte er 40 Jahre an, seit 30 Jahren ist er Schriftführer, konnte stolz für die Chronik vermerken, dass sein Chor selbst für Schallplattenaufnahmen mit dem Leipziger Lehrersinfonieorchester herangezogen wurde.